Hamburg News / Handel & Finanzen: Der Hamburger Innenstadtbereich ist. u.a. durch vielfältigtste Shoppingmöglichkeiten geprägt. Zudem haben sich z.Bsp. auch Banken, Handelsunternehmen und die Hamburger Börse in dem Kernbereich der Stadt angesiedelt.
Buchbranche: In der digitalen Experimentierphase - © Christiane Hoffmeister

Hamburger Buchhandel 4.0: In der digitalen Experimentierphase

SERIE Digitaler Wandel - Teil 5: Der Buchhandel in der Hansestadt ist kreativ und setzt auf viele Kanäle

Bücher muss man anfassen, riechen, das Knistern der Seiten beim Umblättern hören – oder? Der digitale Wandel macht auch vor der Buchbranche nicht halt und Amazon hat überzeugend bewiesen, dass der Gang in die Buchhandlung zum ausgedehnten Stöbern auf Büchertischen und in Regalen kein Muss ist. In unserer Serie über die Digitalisierung wollen wir zeigen, wie sehr ein Umdenken in einzelnen Branchen bereits stattgefunden hat.

Online-Shop rund um die Uhr geöffnet

Christiane Hoffmeister, Inhaberin vom Hamburger „Büchereck Niendorf Nord“, hat schon vor 14 Jahren beschlossen, den Online-Markt nicht allein Amazon zu überlassen. „Ich glaube an die Mischung aus stationärem Handel und digitalen Vertriebswegen. Der Online-Shop ist rund um die Uhr für unsere Kunden geöffnet und darüber hinaus halten wir den Kontakt über Facebook, WhatsApp, Google+, Instagram, Twitter und Snapchat.“ Ob sich der digitale Einsatz auch wirtschaftlich auszahle, kann die Buchhändlerin nur schwer einschätzen. „Das Online-Geschäft macht 8 Prozent unseres Umsatzes aus. Aber als kleine Stadtteil-Buchhandlung mit einer engen Beziehung zum Kunden, ist es ganz natürlich, dass unser stationäres Geschäft so stark ist.“ Das „Büchereck Niendorf Nord“ ist unter den zehn Favoriten für den Buchhandlungspreis 2016.

Gemeinsames Lesen über das Internet

Auf jeden Fall bekommt Hoffmeister viel positives Feedback zu ihren Online-Aktivitäten, zu denen auch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Bloggern gehört oder der Link zum „Social Reading Stream“ von Lovely Books – nach eigener Angabe die größte Buchcommunity im deutschsprachigen Raum. „Über diesen interaktiven Kommunikationskanal, können sich die Leser sofort austauschen. Er ermöglicht ihnen quasi gemeinsames Lesen über das Internet“, erklärt Hoffmeister. Wer das Lesen per E-Reader erstmals ausprobieren möchte, kann im Büchereck zudem einen „Tolino“ zum Testen ausleihen.

E-Book-Nutzung wächst moderat

Die E-Book-Nutzung hat sich etabliert, wachse zurzeit aber nur moderat, heißt es in einer Bitkom-Studie zur Nutzung von E-Books von Oktober 2015. Der E-Reader ist laut der Studie allerdings nicht das bevorzugte Medium: 41 Prozent lesen auf Notebook/Laptop, gefolgt von dem Smartphone mit 38%. Erst auf Platz 3 folgt der E-Reader mit 34%, 21% bevorzugen den stationären PC und 20 % einen Tablet Computer.

Bei Rowohlt macht der Umsatz mit E-Books aktuell 15% aus. „Das ist für Deutschland ein guter Wert. Im anglo-amerikanischen Markt werden allerdings oft eher 30 % erreicht“, erläutert Dr. Uwe Naumann, Programm-Manager Digital beim Rowohlt Verlag in Hamburg Reinbek.

Noch in diesem Jahr bei Rowohlt: „Print to order“

Um den Umsatz mit E-Books weiter zu steigern, hat Rowohlt im März eine Digital Offensive gestartet. „Wir haben eine Reihe von Sonderprojekten entwickelt, die sich speziell an E-Book-Leser richten.“ Dazu gehört „Rowohlt Rotation“, eine Sammlung kleiner E-Texte aus den Bereichen Belletristik und Ratgeber von bis zu 80 Seiten. „Damit reagieren wir auf das zunehmende Bedürfnis nach Texten, die sich bequem etwa während einer Bahnfahrt auf dem Smartphone lesen lassen“, erklärt Naumann.

Zudem kommen alle Bücher, die bei Rowohlt als Print-Ausgabe erscheinen, auch als digitaler Zwilling auf den Markt. Umgekehrt sind nicht alle E-Books auch haptisch erhältlich – noch nicht. „Wir wollen noch in diesem Jahr unseren Lesern mit „Print to order“ die Möglichkeit bieten, sich jedes E-Book auf Wunsch auch in der Print-Variante ins Regal stellen zu können.“

Immer mehr Enriched E-Books?

Und was bringt die Zukunft? Naumann glaubt an eine Zunahme von „Enriched E-Books“: durch Videos, Audioeinspielungen oder interaktive Leserbeteiligung angereicherte Bücher. Rowohlt hat in diesem Bereich bereits experimentiert. Beispielsweise mit dem Projekt „Deathbook“ 2013, bei dem die Leser/User interaktiv eingreifen und mit dem Autor, der zugleich die Hauptfigur seines eigenen Thrillers war, in Kontakt treten konnten. „Videos waren ein wesentlicher Bestandteil der Handlung und mancher Leser erhielt zudem einen Anruf vom Mörder. Das war sehr effektvoll.“

„Wir sind noch in der Experimentierphase“

Das Projekt habe viele spielerische Elemente enthalten und zu einem großen Erfahrungsgewinn auf allen Ebenen geführt. Der wirtschaftliche Erfolg dagegen blieb überschaubar. „Für einen bedeutenden wirtschaftlichen Erfolg war der Aufwand zu groß, allein was die Produktion der hochwertigen Videos betrifft“ sagt Naumann. Doch der Digitale Wandel habe eben für viel Verunsicherung bei Verlagen und im Buchhandel gesorgt. „Noch hat im Grunde keiner einen konkreten Plan, was zu tun ist und vor allem, wie sich Geld verdienen lässt. Wir sind also noch in der Experimentierphase und probieren Neues aus.“
ys/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.buechereckniendorf.de
www.rowohlt.de

Buchhandlungspreis 2016

Die Kulturbehörde Hamburg vergibt zum zweiten Mal einen Preis für besonders engagierte, zukunftsorientierte und inhabergeführte Buchhandlungen und würdigt damit die wichtige Rolle, die der Buchhandel durch die Pflege der literarischen Kultur in der Stadt spielt. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird im Rahmen der „Langen Nacht der Literatur“ am 3. September 2016 in der Hamburger Kunsthalle überreicht. Zusätzlich wird ein Förderpreis in Höhe von 2.000 Euro für Buchhandlungen vergeben, die auf besondere Themen spezialisiert sind.

www.hamburg.de/kulturbehoerde

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