Hamburg News / Handel & Finanzen: Der Hamburger Innenstadtbereich ist. u.a. durch vielfältigtste Shoppingmöglichkeiten geprägt. Zudem haben sich z.Bsp. auch Banken, Handelsunternehmen und die Hamburger Börse in dem Kernbereich der Stadt angesiedelt.
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Brexit und G20: "Für Hamburg überwiegen die Chancen"

Jahrestreffen der "Hamburg-Botschafter" in der Hansestadt. Umfrage der Hamburg News zu wichtigen Zukunftsthemen

Sie leben und arbeiten in London, Paris, New York, Tokio oder Singapur. Alle haben eine enge Verbindung zur Hansestadt, sind hochrangige Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft und wurden erwählt, als HamburgAmbassador die Stadt im Ausland zu repräsentieren. Vom 8. bis 10. Mai kommen sie zu ihrem Jahrestreffen in Hamburg zusammen.

Sie werden im Rathaus empfangen, vom Senat für ihre wichtige ehrenamtliche Tätigkeit gewürdigt und mit exklusiven Informationen versorgt. Zudem erwartet sie ein exquisites Programm – in diesem Jahr zum Thema „Digitale Stadt“. Wie ist ihr Blick auf Hamburg, welches Bild von Hamburg besteht in ihren jeweiligen Gastländern, welche Risiken und Chancen sehen sie durch Brexit oder G20? Wie kommt die Elbphilharmonie im Ausland an? Die Hamburg News befragten Ambassadors aus sechs Metropolen stellvertretend für die insgesamt 33 „Hamburg-Botschafter“ aus 21 Ländern.

Brexit als Chance

Hamburg und der Hafen – eine Liebesgeschichte, die auch im Ausland niemals zu Ende erzählt ist, so scheint es. War und ist es doch vor allem der Hafen, der das Bild Hamburgs im Ausland prägt. Doch so langsam tut sich etwas.

„Der Bekanntheitsgrad Hamburgs hier in London beziehungsweise Großbritannien ist ordentlich. Das liegt allerdings eher an den Beatles und der Reeperbahn. Als moderner Wirtschaftsstandort mit vielen jungen Branchen wird Hamburg noch nicht so gesehen“, so Christoph Lampert, HamburgAmbassador aus London. Anders bei den Kreuzfahrern. „Sie kennen den Hafen als Reisedestination.“ Der Brexit biete für Hamburg „enorme Chancen“. „Er wird zu vielen Umsiedlungen führen und Hamburg hat hier eine gute Möglichkeit, sich als attraktive Alternative anzubieten.“ Spätestens nach der Wahl am 8. Juni werde der Brexit eine klare Gestalt annehmen. Lampert: „Viele Unternehmen werden sich entscheiden müssen.“

So kann Hamburg mit Digitalthemen punkten

Hamburg positioniert sich als Innovationsstandort, fördert Forschung und Digitalisierung. Inwieweit wird das im Ausland registriert? „Nach dem Bereich Hafen und Logistik würde ich zunächst einmal die Cluster zivile Luftfahrt, neue Energien, Life Science und Medizintechnik sowie Kreativwirtschaft einschließlich Medien, IT und Design als Wachstumsbranchen in Hamburg nennen“, so Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Michalski, Ambassador in Paris. „Auch die neue Dynamik des Tourismus sollte hier sicherlich erwähnt werden. 3D-Druck und Virtual Reality sind dagegen keine dynamischen Wachstumssektoren, sondern neue horizontale Schlüsseltechnologien, die branchenübergreifend diverse Einsatzmöglichkeiten bieten.“

„Insgesamt wird Deutschland durch die japanische Brille als Vorreiter bei „Industrie 4.0“ gesehen“ so Nikolaus Boltze aus Tokio. Da wird nicht nach einzelnen Regionen unterschieden. Hamburg könnte sich profilieren, indem die Stadt vormacht, wie sich die deutsche „Industrie 4.0“ mit der japanischen „Society 5.0“ verbinden lässt. Künstliche Intelligenz könnte dazu das Bindeglied sein.“

Diversifizierung vorantreiben

Der von einigen als „Neuvermessung der Welt“ apostrophierte Wandel in der Weltpolitik biete für Hamburg sowohl Herausforderungen als auch Chancen. Vor allem Hamburgs traditionelle Rolle als weltoffene Handelsmetropole gelte es zu sichern. „Hamburgs Zukunft liegt in der Bewahrung des Freihandels“, so Leif H. Sjöström aus Stockholm. Paris-Ambassador Michalski nennt drei Handlungsfelder: „Hamburg sollte, wo immer möglich, seinen politischen Einfluss im Interesse der Bewahrung einer offenen Weltwirtschaft geltend machen. Wirtschaftlich sollte Hamburg die Beziehungen nach Ost- und Südasien weiter stärken.

Eine weitere Diversifizierung der Hamburger Wirtschaft auf weniger export- bzw. außenhandelsintensive Bereiche wie Hafen, Logistik und Zivilluftfahrt dürfte ein drittes Element einer Strategie zur Stabilisierung und Fortentwicklung der Hamburger Wirtschaft sein.“ Ambassador Nikolaus Boltze aus Tokio ergänzt: „Wenn vermutlich im Sommer das EU-Japan Freihandelsabkommen unterschrieben wird, ergeben sich neue Impulse für die Beziehungen zwischen Japan und Europa.“ Da könne sich Deutschland – und so auch die Metropolregion Hamburg gut positionieren.

Wichtiger als Einmal-Events: Ansiedlung großer Organisationen

Dass Hamburg als Ausrichter großer internationaler Konferenzen wie im Juli des G20-Gipfels ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit rückt, wird von den „Hamburg-Werbern“ differenziert gesehen. „Die Thematik der in Hamburg veranstalteten Meetings sollte eine gewisse Affinität zu den unmittelbaren Interessen der Stadt haben. Beim G20-Gipfel ist dies mit den Themen internationaler Handel und Klimawandel und auch, was die teilnehmenden Länder anbetrifft, in wesentlich stärkerem Maße der Fall als zum Beispiel beim OSZE-Meeting“, so Michalski.

„Für wesentlich attraktiver als Einmal-Events halte ich im Übrigen mehrjährige Konferenzserien oder noch besser: die Ansiedlung internationaler Organisationen oder Behörden wie zum Beispiel der European Medicines Agency (EMA), die im Rahmen des Brexit wahrscheinlich von London auf den Kontinent umgesiedelt werden wird.

Elbphilharmonie: Hamburg von einer ganz neuen Seite

In einem sind sich alle Ambassadors einig: Die Elbphilharmonie hat dem Image und der Bekanntheit Hamburgs in der Welt einen ordentlichen Schub verliehen. Vergessen sind Kosten und Verzögerungen. „Die Berichte waren sehr positiv und haben Hamburg von einer ganz anderen, einer neuen Seite gezeigt“, so Hamburg Ambassador Sven Oehme aus New York. Auch in den französischen Medien seien die Berichte vielfältig und positiv gewesen, so Michalski aus Paris. „Probleme und Verzögerungen beim Bau waren in Japan nie ein Thema“, bekräftigt Nikolaus Boltze. „Musikbegeisterte Japaner wollen gern nach Hamburg reisen und hoffen, bald Karten zu bekommen.“

Schon allein das Interesse am Modell der Elbphilharmonie sei „enorm“ gewesen, schildert Angela Reverdin Gabriel aus der französischen Hafenstadt Marseille. „Das sollte man wiederholen.“ Vielleicht anlässlich der 60-jährigen Städtepartnerschaft im kommenden Jahr. „Die Briten sind Musikliebhaber. Opern und Konzerte sind immer gut besucht und keiner scheut sich, dafür zu reisen“, so Christoph Lampert. Einigkeit auch darin: Die Aufmerksamkeit unbedingt verstetigen und in der Kommunikationsarbeit nicht nachlassen!

Mit Kreativität und Geduld

Nicht nur an die klassischen Kommunikationskanäle denken, rät HamburgAmbassador Leif H. Sjöström aus Stockholm. Mit Kreativität und Geduld am Ball bleiben, junge Gruppen, Studenten einladen, oder warum nicht Hamburg als Stadt der Kinder profilieren? Sjöström: „Eltern wollen dahin, wo auch die Kinder sich wohlfühlen.“ Gemeinsame Veranstaltungen der Ostsee-Region zu forcieren, ist ein weiterer Tipp. Sein Angebot: Dabei gern die Hilfe der HamburgAmbassadors nutzen.

Umfrage: Karolin Köcher

Das HamburgAmbassador-Programm

Sie tragen Hamburg in die Welt: Die 33 HamburgAmbassadors, die in 21 Ländern ehrenamtlich die Interessen der Stadt vertreten. Vom 8. bis zum 10. Mai 2017 trifft sich das Netzwerk zu seiner jährlichen Tagung in Hamburg, die unter dem thematischen Schwerpunkt „Digitale Stadt“ steht.

Das internationale Netzwerk besteht seit zwöf Jahren und ist in seiner Struktur einmalig in Deutschland. Die Ambassadors üben ein Ehrenamt aus, in das sie vom Ersten Bürgermeister berufen werden. Die Fäden des Netzwerks laufen bei Hamburg Marketing zusammen, hier werden inhaltliche Themen festgelegt, organisiert und koordiniert.

„Die HamburgAmbassadors sind so etwas wie unsere ehrenamtlichen Botschafter im Ausland. Sie werben in ihrem jeweiligen Land für Hamburg und helfen mit, Hamburg in der Welt bekannt zu machen. Es ist wichtig, die HamburgAmbassadors regelmäßig über die Entwicklungen in Hamburg auf dem Laufenden zu halten. In diesem Jahr werden sie insbesondere die Digitale Stadt erleben.“, sagt Wolfgang Schmidt, Staatsrat der Senatskanzlei.

Dr. Rolf Strittmatter, Vorsitzender der Geschäftsführung Hamburg Marketing ergänzt: „Die Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen, Methoden und Prozessen ist der Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit der Metropolregion Hamburg und damit ein entscheidener Erfolgsfaktor im Standort-Wettbewerb. Dabei sind die Ambassadors wichtige Partner, um uns als innovative und digitale Stadt international zu positionieren.“
www.marketing.hamburg.de

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