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Books on Demand  - © BoD – Books on Demand

Books on Demand: Eine Idee, die die Buchwelt veränderte

Autoren sind heute nicht mehr allein auf klassische Verlage angewiesen. Der Hamburger Buchgroßhandel Libri setzte schon früh auf eine neue Technologie

Die Idee entstand vor 20 Jahren. Und sie entstand in Norderstedt, mitten in der Metropolregion Hamburg. Es war im Jahre 1997 und es war die Zeit, als der Digitaldruck von sich reden machte. Book on Demand hieß das Stichwort und der Hamburger Buchgroßhandel Libri zählte zu den Ersten, die das Potenzial dieser neuen Technologie erkannten.

Die Digitalisierung sollte das Verlagswesen völlig auf den Kopf stellen. Bücher waren fortan nicht mehr an hohe Auflagen gebunden und Autoren nicht mehr von einem Verlag abhängig, um ihr Werk zu publizieren. Libri entwickelte daraus eine Geschäftsidee, die 2001 zur Gründung eines neuen Unternehmens führte: Die Books on Demand GmbH (BoD).

Besonders in der Self-Publishing-Szene ist BoD zu einem festen Begriff geworden. Aber auch über 2.000 Verlage setzen auf das Angebot. Insgesamt werde die Plattform von über 35.000 Autoren genutzt und die Daten von mehr als 2,7 Millionen Büchern liegen zum Digitaldruck bereit. Unter dem Motto „Die Erben Gutenbergs“ wurde BoD 2006 von der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ für sein revolutionäres Geschäftsmodell prämiert. 2011 erhielt das Unternehmen den Querdenker Award für sein innovatives Publikationskonzept.

Demokratisierung des Publishing

„BoD hat das verlegerische Spektrum erweitert und das Veröffentlichen von Büchern demokratisiert,“ meint BoD Pressesprecher Thorsten Simon. Sein Arbeitsplatz befindet sich in einem unscheinbaren Industriegebiet in Norderstedt und nur Insider wissen, dass sich in den Hallen zwei Stockwerke tiefer die wohl modernsten Druckmaschinen befinden, die der Markt zu bieten hat. Die Nachfrage nimmt ständig zu. Erst im vergangenen Jahr sei daher die Produktionskapazität um 50 Prozent gesteigert worden.

„Mittlerweile erscheint jedes dritte neue Buch im Self Publishing,“ so Simon. „Man geht davon aus, dass es allein in Deutschland mehr als 100.000 Autoren gibt, die ihre Bücher selbst veröffentlichen.“ Wobei man beim Digitaldruck nicht in Auflagen denkt. Die Bücher werden ganz einfach immer dann gedruckt und ausgeliefert, wenn sie vom Verlag, vom Handel oder von einem einzelnen Leser bestellt werden.

Dabei sieht sich das Unternehmen für seine Autoren nicht als Verlag, sondern als Selfpublishing-Plattform, die dem Autor alle Freiheiten lässt. „Bei uns behält der Autor die volle Kontrolle über Inhalt und Gestaltung seines Werks,“ so Simon. Da das Buch nur in elektronischer Form vorgehalten wird, kann der Inhalt auch jederzeit verändert werden, ohne dass erst eine Auflage abverkauft werden muss. Das ist zum Beispiel für Reiseführer interessant, die von Zeit zu Zeit aktualisiert werden müssen. Oder bei vielen technischen Themen, die sonst sehr schnell veraltet wären.

Veröffentlichung ohne Einschränkungen

„Self-Publishing mit BoD eignet sich nicht nur für Belletristik, sondern ist auch ideal für Trend- und Nischenthemen,“ so Simon und verweist auf zahlreiche Beispiele. „Ratgeber und Sachbücher, die sich nur an eine kleine Zielgruppe wenden, sind für die klassischen Verlage oft nur schwer einzuschätzen. Auch Newcomern eröffnet Self-Publishing die Möglichkeit, sich dem Traum vom eigenen Buch zu erfüllen.“

49 Prozent der Autoren im Self-Publishing schreiben lediglich aus persönlicher Leidenschaft und denken bei der Veröffentlichung ihres Werkes nur am Rande an seinen wirtschaftlichen Erfolg, so seine Einschätzung. 12 Prozent seien Profis, die von ihrer Arbeit als Autor leben. Bei 39 Prozent handelt es sich demnach um Experten, die vor allem Sach- und Fachbücher schreiben, um ihr Wissen weiterzugeben.

BoD bietet dafür vier Preismodelle. Sie reichen vom einfachen Druck eines Buches über das reine E-Book bis hin zu Print-Veröffentlichungen mit Vertrieb über alle Handelskanäle. Auf Wunsch bietet BoD auch Verlagsservice, Korrektorat und Lektorat an. Wobei es der Autor in der Hand hat, Ausstattung und Preis seines Buches und damit auch seine eigene Marge selbst zu bestimmen.

Auch wenn man es in Zeiten von Amazon kaum für möglich hält, rund 50 Prozent des Umsatzes wird demnach nach wie vor über den stationären Buchhandel erzielt. Alle über BoD veröffentlichten Titel erhalten eine ISBN-Nummer und tauchen damit im Online-Handel genauso auf, wie im Buchladen an der Ecke. Und sie stehen auf Wunsch auch als E-Book zur Verfügung.

Bücher bleiben gefragt – E-Books sind im Kommen

„Das Ende des gedruckten Buches sehen wir überhaupt nicht,“ antwortet Thorsten Simon auf die Frage, ob klassische Bücher nicht ein Auslaufmodell seien, weil künftig nur noch mit dem Handy, dem Tablet und dem E-Book-Reader gelesen wird. „Der rasante Wachstumstrend beim E-Book hat sich in den letzten Jahren abgeschwächt,“ ist seine Erfahrung. Doch er ist sich sicher, dass die Entwicklung spannend bleiben wird: „Das Leseverhalten verändert sich und das mobile Lesen wird immer wichtiger.“

Dazu kommt, dass das E-Book völlig neue Formate ermöglicht. Bücher mit interaktivem Inhalt zum Beispiel. „Vor allem bei Sachbüchern sind interaktive Inhalte interessant. Allerdings stößt man dabei oftmals an Hardware-Grenzen, denn die klassischen E-Book-Reader bieten nur begrenzte Möglichkeiten, solche Inhalte darzustellen.“

Koexistenz mit der Verlagswelt

Sieht sich BoD als Konkurrent zu den etablierten Verlagen? „Ganz im Gegenteil,“ meint Simon und beschreibt das Unternehmen als einen Prozessdienstleister, auf den mittlerweile über 2.000 Verlage zurückgreifen. Vor allem für die Backlist-Titel, die nicht auf den Bestseller-Listen erscheinen, ist der Digitaldruck interessant. Auch nutzen Verlage BoD, um vergriffene Titel wieder aufzulegen, Neuerscheinungen mit möglichst wenig finanziellem Risiko Risiko am Markt zu testen, oder um Nischenthemen zu bedienen. Vor allem auch Wissenschaftsverlage produzierten heute über Print on Demand.

Ein zunehmender Markt sind auch Publikationen aus dem universitären Umfeld, denn immer mehr Unis treten mittlerweile als Verlage auf. Nicht zu vergessen Bücher mit personalisiertem Inhalt, sowie technische Dokumentationen und Bedienungsanleitungen

Die Bücherwelt ist eben schon lange nicht mehr das, was sie einmal war. Vor allem für Self Publisher ist BoD zum Inbegriff für die Demokratisierung des Publishing und die Emanzipation des Autors geworden. Ein kreatives Unternehmen mit rund 180 Mitarbeitern im Herzen der Metropolregion Hamburg.
sw/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.libri.de
www.bod.de

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