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Abguss statt Original

Per Zufall entlarvten Archäologen bei DESY in Hamburg eine spektakuläre Fälschung

Lange hatte es als archäologischer Schatz gegolten – ein Ensemble von bronzezeitlichen Beilen, das im 19. Jahrhundert angeblich in einer feuchten Wiese in Schleswig-Holstein entdeckt worden war. Doch dann nahmen Archäologen eines der Stücke mit dem intensiven Röntgenstrahl eines Teilchenbeschleunigers bei DESY unter die Lupe. Das Resultat schockierte die Fachleute: Das Beil erwies sich als Fälschung, ebenso wie fast alle anderen Objekte des Fundes.

Röntgenstrahlen entlarven Flickwerk

Das Ergebnis zeigt, wie wertvoll physikalische Messmethoden für die Archäologie sein können – selbst wenn der vermeintliche Wert eines Fundes zugunsten der Wahrheit rapide sinkt. Begonnen hatten die Experten ihre Zusammenarbeit vor einigen Jahren, als sie am Speicherring DORIS ein bronzezeitliches Beil analysierten: Das „Beil von Ahneby“ ist rund 4000 Jahre alt, wiegt 700 Gramm und dürfte einst als Kultgegenstand fungiert haben. „Als wir das Beil abscannten, bemerkten wir, dass seine Oberœäche ursprünglich von vielen Löchern übersät war“, erläutert Mechtild Freudenberg vom Archäologischen Landesmuseum Schloss Gottorf. Diese so genannten Lunker dürften beim Bronzeguss entstanden sein. Um die Klinge zu glätten, hämmerten die bronzezeitlichen Handwerker Zinnperlen in die Lunker. Ein prähistorisches Flickwerk, das erst mit der hochintensiven Röntgenstrahlung von DORIS sichtbar wurde.

21 Fälschungen entlarvt

Nach diesem Erfolg untersuchte das Team um den Hamburger DESY-Physiker Leif Glaser weitere Beile mit der zerstörungsfreien Methode. Eigentlich wollte es nur die Arbeitsspuren auf den Klingen näher inspizieren. Doch bei einem der Werkzeuge wurden die Fachleute stutzig, die Messwerte zeigten Unstimmigkeiten. „Als wir dann mit dem Röntgenstrahl die chemische Zusammensetzung analysierten, kam uns ein Verdacht“, sagt Freudenberg. „Das Beil enthielt deutlich zu viel Eisen und Zinn, stammte also vielleicht gar nicht aus der Bronzezeit. Weitere Analysen zeigten, dass die deutlich sichtbaren Abdrücke der Hammerschläge nur oberflœächlich waren. Im Inneren des Materials dagegen fanden sich keinerlei schmiedetypische Veränderungen der Kristallstruktur. Freudenbergs Schlussfolgerung: „Wir haben es zunächst nicht glauben wollen, aber bei diesem Beil handelt es sich um einen Abguss, also eine Fälschung!“

Weitere Zusammenarbeit geplant

Eine unliebsame Überraschung für die Experten. Schließlich stammte das Beil aus vermeintlich sicherer Quelle: 1864 hatte es der renommierte Privatsammler Johann Detlef Marxen dem Schleswiger Museum vermacht – zusammen mit 21 weiteren Gegenständen, die angeblich in derselben bronzezeitlichen Fundstelle entdeckt worden waren, einer feuchten Wiese in der Nähe von Kappeln. Neben 15 Beilen umfasste der Fund auch Meißel sowie Schmuckgegenstände. Als das Team auch diese anderen Artefakte abscannte, kam es zu einem ernüchternden Resultat: Bis auf eine dünne, 25 Zentimeter lange Gewandnadel erwies sich alles als Fälschung: 21 Artefakte aus dem 19. Jahrhundert, enttarnt von DESY-Forscher.

Die Archäologen aus Schleswig und die Physiker aus Hamburg wollen auch künftig ihre Zusammenarbeit fortsetzen – ein interdisziplinäres Zusammenspiel, das für weitere Detektivgeschichten aus der Vergangenheit gut sein könnte.
him

Quelle und weitere Infos:
www.desy.de

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