Hamburg News / Handel & Finanzen: Der Hamburger Innenstadtbereich ist. u.a. durch vielfältigtste Shoppingmöglichkeiten geprägt. Zudem haben sich z.Bsp. auch Banken, Handelsunternehmen und die Hamburger Börse in dem Kernbereich der Stadt angesiedelt.
Hamburg: 100 Jahre Deutscher Teeverband - © Deutschen Teeverband e.V.

100 Jahre Deutscher Teeverband: Sorten sind trendiger geworden

200.000 Tonnen Tee wurden 2016 im Hamburger Hafen umgeschlagen. Hansestadt ist Drehschreibe des europäischen Teegeschäfts

Gegründet wurde der Deutsche Teeverband mitten im Ersten Weltkrieg, am 21. April 1917. Also zu einem Zeitpunkt, zu dem der Teehandel auf Grund der Seeblockade durch Großbritannien komplett zum Erliegen gekommen war. „Doch die Teehändler handelten vorausschauend. Sie wollten vorbereitet sein für die Zeit nach dem Krieg, um den Zugang zum Markt sobald wie möglich wiederherzustellen“, erklärt Maximilian Wittig, Geschäftsführer des Deutschen Teeverbands. Der Geschäftssinn der damaligen Händler zahlte sich aus, der Handel mit Tee ist heute ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. 2016 wurden rund 200.000 Tonnen Tee im Hamburger Hafen umgeschlagen. Die Hansestadt ist damit die Drehscheibe des europäischen Teegeschäfts.

Teeanbau in neuen Regionen immer populärer

Dabei wurde der Deutsche Teeverband zunächst in Kassel gegründet – „wohl wegen der zentralen Lage in Deutschland und der damit verbundenen guten Erreichbarkeit“, vermutet Wittig. Doch da der Großteil der Teeunternehmen in Norddeutschland ansässig war, wurde der Sitz bald in die Hansestadt verlegt und der Verband nahm im Grunde von Anfang an seine Arbeit in Hamburg auf.

Der Legende nach wurde Tee bereits vor knapp 5.000 Jahren in China entdeckt. Aber erst vor gut 400 Jahren gelangte er erstmals nach Europa. Innerhalb der vergangenen 100 Jahre hat sich schließlich die weltweite Teeproduktion mehr als verzehnfacht. Wird sich dieser Trend fortsetzen? „Ja“, vermutet Wittig. „Wenn auch nicht in dieser Dimension.“ Das vergangene Wachstum sei vor allem auf den Fortschritt der Produktionsbedingungen zurückzuführen, „während wir aktuell Veränderungen erleben, die dem Klimawandel geschuldet sind. Traditionelle Tee-Anbauländer haben mit unterschiedlichsten Auswirkungen zu kämpfen.“

Dafür werde der Tee-Anbau in anderen Regionen immer populärer, „angefangen mit verschiedenen afrikanischen Ländern über Südamerika bis hin zu Neuseeland.“ Damit konzentriert sich der Tee-Anbau nicht mehr so stark auf die fünf führenden Tee-Anbauländer Indien, China, Kenia, Sri Lanka und Indonesien, sondern auch neue Länder ergreifen ihre Chance.

Deutschland führend in der Teeveredelung

Noch jedoch sorgen diese fünf Länder für mehr als 80 Prozent der Weltproduktion. In Deutschland hingegen wird der Tee veredelt. „In Hamburg sitzen viele Teehandelshäuser, die Tee als sogenannte Bulkware einkaufen, sowie zahlreiche Unternehmen, die führend sind in der Veredelung“, erläutert Wittig. Ihr Fachwissen bei der Mischung (Blending), dem Aromatisieren und schließlich der Konfektionierung wird weltweit geschätzt. „Tee ist ein Naturprodukt, somit unterscheidet sich jede Lieferung vom selben Produzenten stets ein Stück weit von der vorherigen. Viele Kunden jedoch wünschen sich ein Produkt von gleichbleibender Qualität“, weiß Wittig.

Die Kunst bestehe nun darin, aus den vielen verschiedenen Tees aus aller Welt, diejenigen auszuwählen, die beispielsweise einen gleichbleibend hochwertigen English Breakfast Tea oder eine für die jeweiligen Häuser charakterische echte ostfriesische Mischung ergeben. „Ein Tea Taster probiert dazu am Tag schon mal an die 400 Teemuster und muss in Sekundenbruchteilen entscheiden: Kaufen oder nicht kaufen“, erklärt Wittig.

Ostfriesen Weltmeister im Teegenuss

Der Verbrauch von Schwarz- und Grüntee lag in Deutschland 2016 bei 19.220 Tonnen. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Verbrauch von 28 Litern pro Kopf. Rechnet man Früchte- und Kräutertee hinzu, wächst der Verbrauch auf 70 Liter. „Tee wird regional jedoch sehr unterschiedlich genossen“, erzählt Wittig. „Die Ostfriesen kommen auf einen Pro Kopf- Verbrauch von 300 Litern pro Jahr und sind damit Weltmeister – noch vor der vermeintlichen Teenation England, die es ´nur` auf 200 Liter pro Jahr bringt.“ Die 300-jährige ostfriesische Teekultur wurde im Mai sogar von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe ausgezeichnet. Weltweit ist Tee nach Wasser das zweithäufigste Getränk. Denn während Kaffee in Europa stark vertreten ist, bestimmt in Asien Tee den Alltag und der Teegenuss ist vielerorts stark geprägt von Ritualen und Zeremonien.

Tee erobert Spitzengastronomie

Diese besondere Liebe zum Naturprodukt Tee macht sich zunehmend auch bei uns bemerkbar. „Tee wird immer trendiger. Die Kunden werden neugieriger und experimentierfreudiger“, bestätigt Wittig. So entspreche Tee dem anhaltenden Wellness-Trend „und wird mit einem entschleunigenden und bewussten Genuss verbunden.“ Aber auch die Geschmacks- und Wirkungsvielfalt findet immer mehr Liebhaber. So beobachtet Wittig zum einen ein wachsendes Interesse an sortenreinen Tees allgemein, zum anderen entdecke die gehobene Gastronomie den Tee. Ob als Assam-Shot nach dem Essen oder als begleitendes Getränk statt Wein. „In der Spitzengastronomie finden sich immer mehr gut ausgebildete Mitarbeiter, die den passenden Tee zum Gericht empfehlen können.“

Und was empfiehlt der Experte als sommerliche Tee-Sorte? „In diesem Jahr würde ich für unseren speziellen Hamburger Sommer einen kräftigen Ceylon-Tee empfehlen“, sagt Wittig. Der schmecke bei Regentagen heiß getrunken, eigne sich aber auch vorzüglich für Eistee. Und mit nur der Hälfte der üblichen Wassermenge aufgebrüht und ergänzt mit der der gleichen Menge in Form von Eiswürfeln, lasse er sich sofort genießen und müsse nicht am Abend vorher angesetzt werden, erklärt er. „Nun noch bei Bedarf mit Zitrone garnieren. Fertig.“
ys/kk

Weitere Informationen: www.teeverband.de

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