Hamburg News: Hafen und Logistik - Shipping-Container-Schiff
Viermaster Peking - © Peter Kaufner / Cinedesign

"Dieses Schiff gehört nach Hamburg": Die PEKING kehrt zurück

Die Finanzierung durch Bundesmittel ist gesichert. Nun kann die Stiftung Hamburg Maritim ein lang verfolgtes Projekt realisieren

„Dieses Schiff gehört nach Hamburg“, davon ist Joachim Kaiser, Vorstandsmitglied der Stiftung Hamburg Maritim und Sachverständiger für historische Schiffe, seit langem überzeugt. Nachdem der Bund die Finanzierung für das neue Deutsche Hafenmuseum (geplanter Baubeginn 2019, Fertigstellung 2021) in Hamburg bewilligt hat, steht nun einer Rückführung der PEKING in ihren ursprünglichen Heimathafen nichts mehr im Wege. Denn in den vom Bund bewilligten 120 Millionen Euro sind 26 Millionen für die Rückführung und Restaurierung der PEKING vorgesehen. Federführend für die Restaurierung ist die Stiftung Hamburg Maritim.

Standort noch ungewiss

Voraussichtlich im 4. Quartal 2016 soll die PEKING per Dockschiff von New York nach Hamburg gebracht werden. Die endgültige Entscheidung über den Standort des Deutschen Hafenmuseums, und somit den Liegeplatz der PEKING, ist noch nicht gefallen. Die historischen 50er Kaischuppen auf dem Gebiet am Hansahafen bieten sich dafür an, im Gespräch sind aber auch Altona oder die HafenCity. Sicher ist jedoch, dass Hamburg damit einen weiteren Touristenmagneten erhält.

34 Kap-Horn-Umrundungen

„Rahgetakelte Großsegler wie die PEKING markierten den Höhepunkt in der jahrhundertelangen Entwicklung der Frachtsegelschiffe, bevor der Erste Weltkrieg ein neues Zeitalter einläutete“, erklärt Joachim Kaiser die Bedeutung der PEKING, deren Restaurierung er als Projektsteuerer leiten wird. 1911 bei Blohm+Voss für die Hamburger Reederei F. Laeisz gebaut, wurde die PEKING in der Salpeterfahrt zwischen Europa und Chile eingesetzt. Auf jeder Reise wurde zweimal Kap Horn umsegelt, für die PEKING sind 34 Kap-Horn-Umrundungen belegt. „Die Route in Richtung Westen war haarsträubend gefährlich. Aber gerade hierfür waren die PEKING und ihre Schwesterschiffe gebaut und ausgerüstet. Außerdem verfügte die Reederei Laeisz über exzellente Besatzungen – echte Hamburger Jungs.“

Rickmer Rickmers statt PEKING

Ihre letzte Reise unter Segeln unternahm die PEKING 1932. Anschließend lag sie als Internats-Schiff für Kadetten auf dem Fluss Medway, südöstlich von London, bis sie 1974, inzwischen stark überholungsbedürftig, ausgemustert und der Stadt Hamburg für einen Preis von 350.000 DM zum Kauf angeboten wurde. Daraufhin gründete sich der Verein „Windjammer für Hamburg“, die Summe war schnell über Spendenzusagen aufgebracht. Doch eine Inaugenscheinnahme vor Ort durch Kap-Hoorniers kam zu dem Ergebnis, dass sich der Rumpf in einem bedenklich schlechten Zustand befand. So wurde stattdessen ein ausgemustertes portugiesisches Schulschiff erworben, die heutige Rickmer Rickmers. Die PEKING wurde daraufhin vom amerikanischen South Street Seaport-Museum erworben, in Teilen repariert und nach New York verschleppt. 1976, pünktlich zur 200-Jahr-Feier der USA, lag die herausgeputzte und wieder aufgetakelte Viermastbark vor der Skyline von Manhattan. Am Heck prangte „PEKING – Hamburg“.

Enormer Restaurierungsbedarf

Als die frisch gegründete Stiftung Hamburg Maritim 2001 Joachim Kaiser als Experten für historische Schiffe in ihren Vorstand wählte, setzte dieser sich erneut für den Frachtsegler ein, der noch immer im Besitz des South Street Seaport-Museums war. „Es ging um die Frage, um welche noch im Ausland befindlichen Schiffe sich die Stiftung kümmern sollte. Ich plädierte für die PEKING und den Lotsenschoner ELBE.“ Die ELBE, 1883 auf der Werft H. C. Stülcken in Hamburg gebaut, konnte schon im Folgejahr erworben werden, ein erneutes, detailliertes Urteil über den Zustand der PEKING hingegen fiel ernüchternd aus.

„Rahsegler wie die PEKING wurden auf maximale Zuladung hin gebaut, unbeladen mussten sie daher Ballast tragen, sonst wären sie buchstäblich umgekippt. Beim Umbau zum Internatsschiff war der Schiffsrumpf deshalb zur Stabilisierung mit Beton ausgegossen worden“, erklärt Kaiser. Das macht nun eine Erneuerung des Unterwasserschiffs nötig. Auf welcher Werft das geschehen wird, ist noch unklar. „Es wird eine Ausschreibung geben, wie bei allen öffentlich finanzierten Projekten“, sagt Kaiser. Nach einem Werftaufenthalt von geschätzt zwei Jahren könnte die PEKING somit etwa 2019 zu einem neuen maritimen Touristenmagneten für die Stadt werden.
ys/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.stiftung-hamburg-maritim.de
www.hamburg.de/peking
www.hamburg.de/rickmer-rickmers

Über die PEKING

Die 1911 gebaute PEKING war auf eine Besatzung von 31 Mann ausgerichtet und brachte es auf eine Geschwindigkeit von maximal 17 Knoten. Die Arbeitsgeschwindigkeit lag allerdings eher zwischen 10 und 14 Knoten. Der Viermastsegler gehörte zur Flotte der legendären „Flying P-Liner“ der Reederei Laeisz, deren Schiffsnamen bekanntlich stets mit einem „P“ begannen und beginnen. Vier der berühmten Windjammern existieren noch: Neben der PEKING die PASSAT (liegt als Museumsschiff in Travemünde), die POMMERN (liegt als Museumsschiff im finnischen Mariehamn) und die ehemalige PADUA, die unter dem Namen KRUZENSHTERN als Segelschulschiff unter russischer Flagge segelt. Sie ist ein gern und oft gesehener Gast in Hamburg, zuletzt auf dem diesjährigen Hafengeburtstag. Das neue Deutsche Hafenmuseum, Teil der Stiftung Historische Museen Hamburg, soll die Jahrhunderte alte maritime Wirtschafts- und Kulturgeschichte Hamburgs darstellen und umfassend über die Entwicklung des Seehandels und seine Auswirkungen auf die Stadt informieren.

Die gemeinnützige Stiftung Hamburg Maritim wurde 2001 auf Initiative der Handelskammer Hamburg durch die damalige Hamburgische Landesbank gegründet mit dem Ziel, historische Schiffe und Hafenanlagen als Zeugen maritimer Geschichte zu bewahren und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Weitere Informationen unter www.stiftung-hamburg-maritim.de

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