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Transporter mit superleichtem Fahrgestell aus Carbon - © Carbon TT

CarbonTT: Die Zukunft des Transporters

Die Nutzlast von Transportern ist meist auf eine Tonne begrenzt. Ein Unternehmen aus der Metropolregion will diese Grenze sprengen

Die Firma aus Stade nutzt dafür eine Technik, wie man sie aus dem Rennsport kennt. Das Zauberwort heißt Carbon. Genauer gesagt Carbonfaser-verstärkter Kunststoff, abgekürzt CFK. Das Material ist bei vergleichbarer Festigkeit nicht nur rund 40 Prozent leichter als das klassische Leichtbaumaterial Aluminium. Es ist auch absolut korrosionsfrei. Und es lässt sich durch eine entsprechende Konstruktion und Produktionstechnik mit genau den Eigenschaften ausstatten, die für eine bestimmte Anwendung entscheidend sind. Doch die Sache hat noch immer einen Haken: Bauteile aus Carbon-Verbundwerkstoffen sind teilweise teurer als vergleichbare Lösungen aus Aluminium. Das rechnet sich durchaus in der Luftfahrt oder im Rennsport. Doch bei Nutzfahrzeugen gelten andere Kriterien. Hier ist entscheidend, in welchem Umfang Leichtbau zu weniger Kraftstoffverbrauch und damit niedrigeren Betriebskosten führt. Und ob sich damit der Umsatz erhöhen lässt, weil sich mit einer Fahrt mehr Waren transportieren lassen.

Der Weg in die Elektromobilität

Die Carbon Truck & Trailer GmbH in Stade wurde mit einem äußerst ehrgeizigen Ziel gegründet. Die Idee war es, das Fahrgestell eines Transporters komplett aus superleichtem Carbon zu fertigen. Dabei ging es nicht nur darum die Nutzlast des Fahrzeugs deutlich zu erhöhen. Es ging vor allem darum, mit weniger Fahrzeugen mehr zu erreichen und CO2 einzusparen. Und es ging um eine praxisgerechte Lösung für künftige Elektrofahrzeuge. Mit anderen Worten, ein kleines Unternehmen in der Metropolregion Hamburg war angetreten, um nichts Geringeres als eine Revolution im Transporterbereich einzuleiten.

Das CFK Valley in Stade

Dabei war die Standortwahl alles andere als zufällig. In Stade befindet sich nämlich auch das CFK Valley, ein Know-how Cluster von Unternehmen, die sich um das Airbus-Werk angesiedelt haben. Außerdem steht dort das CFK Nord, eine riesige Forschungshalle, in der das Fraunhofer Institut und das DLR an Verbundwerkstoffen arbeiten. Doch nicht nur der Zugriff auf das in Stade vorhandene Know-how war für CarbonTT entscheidend. Wichtig waren auch VW als Technologiepartner aus dem Automobil-Bereich und die Schweizer Coop, die sich dazu bereit erklärte, ein erstes Kühlfahrzeug in der innovativen Carbon-Technik auf die Straße zu schicken

40 Prozent mehr Nutzlast durch neue Carbontechnik

Der neueste Transporter von CarbonTT wurde 2016 auf der IAA Nutzfahrzeuge vorgestellt. Es handelte sich um einen neuartigen Leichtbau-Transporter mit Kofferaufbau auf der Basis des aktuellen VW T6. Das Fahrzeug bietet bei denselben Außenabmessungen wie die konventionelle Version bis zu 40 Prozent mehr Nutzlast. Es ist bereits zur Serienreife entwickelt und kann zu Preisen ab knapp 46.000 Euro vorbestellt werden. „Wir haben das Verhalten des Fahrgestells in umfangreichen Dauertests untersucht und dabei die unterschiedlichsten Lastzustände simuliert. Das Ergebnis hat bisher in jeder Hinsicht überzeugt,“ erklärt Gerret Kalkoffen, Geschäftsführer von CarbonTT dazu und ergänzt: „Das erste Fahrzeug läuft bereits seit einem halben Jahr bei der Schweizer Coop, ohne dass irgendwelche Probleme aufgetreten sind.“

Standardisierung durch Baukastenprinzip

Für die Zukunft von Fahrzeugkonzepten auf der Basis von Carbon-Verbundstoffen sieht Kalkoffen noch eine entscheidende Herausforderung: „Es geht jetzt vor allem darum, serientaugliche Produktionstechniken für die Herstellung von CFK-Komponenten zu entwickeln. Wir wollen das vor allem durch ein Baukasten-Konzept erreichen, das sich durch einen hohen Standardisierungsgrad und vereinfachte Geometrien auszeichnet.“ Kalkoffen geht davon aus, dass sich CFK-Komponenten für Karosserie und Fahrgestell schon in wenigen Jahren zu ähnlichen Kosten realisieren lassen, wie beim derzeit noch vorherrschenden Stahlbau.

Erste Serienproduktion

Momentan werden Kunden vorzugsweise aus der Metropolregion Hamburg gesucht. Sie werden zu den ersten Unternehmen zählen, die einen Transporter nutzen, der sich äußerlich kaum von einem herkömmlichen VW T6 entscheidet, aber bis zu 40 Prozent mehr Nutzlast bieten soll. Für CarbonTT ist das der Start einer ersten Kleinserie, mit der vor allem Erfahrungen mit der Serienproduktion von Fahrzeugen aus Carbon-Verbundwerkstoffen gesammelt werden sollen. Wobei die Entwicklung bereits einen Schritt weiter ist. Bereits im kommenden Jahr will CarbonTT einen straßentauglichen Transporter für den urbanen Bereich vorstellen, der eine superleichte CFK-Struktur mit einem Elektroantrieb verbindet. Dabei kommt dem Unternehmen die räumliche Nähe von Einrichtungen, wie dem CFK Valley, dem Composite Technology Center und der HAW zugute, die alle in der Metropolregion Hamburg zu Hause sind.
sw/mh/kk

Quelle und weitere Informationen:
www.carbontt.com/aktuelles/

Zum Grundstoff Carbon (CFK)

Kohlenstoff (Carbon) kommt in der Natur sowohl in reiner Form (Diamant, Graphit) als auch chemisch gebunden (z. B. in Form von Carbiden, Carbonaten, Kohlenstoffdioxid, Erdöl, Erdgas und Kohle) vor. Erdöl ist also nicht die alleinige Rohstoffquelle.
Kohlestoffasern werden normalerweise als gewebte Matten in Epoxidharz eingelegt oder geschnitten einem Kunststoff beigemischt. Beim Recycling wird das formgebende Material verbrannt bzw. geschmolzen. Die Fasern werden dabei isoliert und können erneut verwendet werden.

Die Metropolregion Hamburg wächst und fördert Innovationen

Die Metropolregion Hamburg ist die Heimat von 5,3 Millionen Einwohnern – das ist etwas mehr als die Einwohnerzahl in Norwegen. Sie reicht von Cuxhaven bis Schwerin, von Lübeck bis in die Lüneburger Heide und ist damit fast so groß wie Belgien.
In dieser Konstellation ist die Großstadtregion heute eine der dynamischsten und wirtschaftsstärksten in Europa. Das Thema Innovation wird groß geschrieben, die bundeslandübergreifende Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung sorgt für eine solide Basis und sichert die hohe Lebensqualität und Beschäftigung der gesamten Region.

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