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SmartCity Hamburg – die Stadt neu denken

Bewohner sollen von intelligenten Lösungen profitieren. Veranstaltung zeigt Möglichkeiten am Beispiel von Gesundheitswirtschaft und creative Computing. Bleibt die Frage: Wer oder was ist Watson?

Wenn Hamburger Sterneköche künftig neue Gerichte kreieren, werden sie wohl häufig einen Blick auf den Monitor werfen: 9.000 Rezepte aus Zeitschriften und Kochbüchern wurden in Programme eingepflegt, dazu diverse lokal unterschiedliche Geschmackspräferenzen, beliebte Kompositionen, Daten über Ingredienzien. Alles wird registriert und und neu miteinander verbunden. Das Ergebnis ist eine Fülle neuer kreativer Rezeptideen. „Mein Lieblingsbeispiel!“, sagt Annika Grosse begeistert. Die emphatische Managerin steuert als Service Leader Europe bei IBM von Hamburg aus die Entwicklung des kognitiven Computersystems “Watson”. „Die Frage ist, kann ein Rechner uns zur Kreativität bewegen, ohne dass wir ihm das beigebracht haben?”

Orte zum Netzwerken schaffen

Um Zukunftsvisionen für Hamburg am Beispiel lernender Computerprogramme und den Erfahrungen anderer smartCities ging es am Mittwoch beim zweiten MLOVE Salon Smart City Hamburg in der IBM Zentrale. Unter den Referenten: Kay Hartkopf, Smarter Cities Director IBM, Jörn Riedel, CIO der Stadt Hamburg, Prof. Dr.-Ing. Andreas Timm-Giel von der TU Hamburg Harburg und Mirko Bass, Innovation & Customer Experience Cisco. “Es gibt so viele Möglichkeiten und Ideen in Hamburg, daher wollen wir Berührungspunkte und Orte zum Netzwerken schaffen”, so Harald Neidhardt vom MLOVE Salon Smart City Hamburg.

Daten für mehr Sicherheit nutzen

IBM-Manager Hartkopf demonstrierte am Beispiel anderer Städte, wie smarte Lösungen für Verkehr und Wetterphänomene das Leben der Bewohner sicherer machen können. „Zum Beispiel die sechs-Millionen-Einwohner-Stadt Rio de Janeiro. Die Bewohner leiden oft unter heftigem Starkregen mit fatalen Auswirkungen. Man muss möglichst früh wissen, wann so etwas passiert. Erst Daten und intelligente Analyse machen eine Vorhersage möglich, so dass sich Regierung, Bevölkerung und Hilfsdienste rechtzeitig koordinieren können.“ Hartkopf: „Gegen den Regen können wir nichts tun, aber wir können dafür sorgen, dass die Auswirkungen weniger dramatisch sind.“

Die Regierung in Madrid habe sich hingegen die Frage gestellt, wie man die Services besser monitoren könnte. Auch hier habe sich gezeigt, dass Big Data Analytics wichtig sind, um die Zusammenarbeit zwischen Menschen und Services zu verbessern.

Anwendungsbeispiel – ganz praktisch

Intelligente Programme entwickeln und dann bestmöglich nutzen – oder lieber erst fragen, was genau benötigen wir eigentlich und dafür die passende intelligente Lösung entwickeln? – Das war eine der Kernfragen des Abends, die Johanna Ahrens, Senior Business Consultant Avodaq – Smart Health am UKE , auf sehr anschauliche Art beantwortete. Sie präsentierte einen Film, in dem es einem kranken Kind auf der Station mit Hilfe eines Videokonferenzsystems ermöglicht wurde, unmittelbar und interaktiv am Unterrichtsgeschehen teilzunehmen. „Vor allem im Gesundheitsbereich haben wir unzählige Möglichkeiten, den Menschen mit intelligenten Lösungen das Leben zu erleichtern.“

Große Städte verändern die Welt

Eindrücke aus seiner jüngsten Reise aus dem Silicon Valley steuerte Cisco Manager Mirko Bass der Diskussion bei. „Ein großes Thema ist dort derzeit die Bildung und die Frage, wie lassen sich die neuen Hybridberufe gestalten und wie können die Menschen darauf vorbereitet werden?“, berichtete er.

Dabei seien es die großen Städte, die die Veränderung treiben. Große Städte verändern die Welt. „Eine der großen Herausforderungen ist vor allem auch die Frage, wie kommen wir an die Daten. Wie kann man einen Teil von ihnen nutzen, und einen anderen Teil anonym halten?“ so Andreas Timm-Giel von der TU Hamburg-Harburg.

Bei aller Leidenschaft der Diskussion gab es bei zentralen Fragen einen breiten Konsenz: Die intelligente Technik müsse in erster Linie dem Menschen nützen und seine Lebensqualität steigern. Gesundheit, intelligente Verkehrssysteme und eine saubere Umwelt seien eine wichtige Basis. Mirko Bass von Cisco setzt dabei vor allem auch auf die neue Generation: „Neue Ideen müssen Teil des Prozesses sein. Wir brauchen eine Gründerkultur und Orte, an denen Begegnungen stattfinden. Das würde ich mir für Hamburg wünschen.“
kk

Weitere Informationen:
www.mlove.com

Mehr über Watson:
http://www-03.ibm.com/systems/de/power/advantages/watson/

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