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Wir sind schließlich keine Roboter - © Philips

Philips-Digital-Leiterin: "Smart Data sinnvoll und gezielt nutzen"

Cornelia Szauer, Head of Digital D/A/CH bei Philips im Gespräch mit den Hamburg News über Vernetzung, Digitale Zwillinge und neue Kundenansprache

Die Philips-Gruppe beschäftigt rund 100.000 Mitarbeiter in mehr als 100 Ländern. Hamburg ist Sitz der Philips Deutschland-Zentrale und der größte Standort in Deutschland. Hier entwickelt und produziert das Unternehmen Röntgenröhren; im Fertigungs- und Entwicklungszentrum für Medizintechnik werden Röntgensysteme und -Komponenten für den Export hergestellt und die Philips-Medizinforschung ist hier angesiedelt. Hamburg News sprachen mit Cornelia Szauer, Head of Digital D/A/CH.

Hamburg News: Peter Vullinghs, Vorsitzender der Geschäftsführung der Philips GmbH, hat in einem früheren Interview mit Hamburg News erklärt, in der Digitalisierung liege die Zukunft der Gesundheitsbranche und Big Data könne Leben retten – woran forscht Philips aktuell?

Szauer: Bei Philips arbeiten unterschiedliche Teams an zahlreichen Lösungen und Strategien im Bereich der digitalen Gesundheitsbranche. Etwa an der Vernetzung von Kliniken, Apotheken, Gesundheitsdienstleistern und -Herstellern sowie Versicherungen. Eine solche digitale Kooperation der verschiedenen Partner im Gesundheitswesen, könnte dazu führen, Patienten eine integrierte und allumfassende Versorgung zu bieten – von der Prävention über Diagnostik und Therapie bis hin zur häuslichen Pflege.

Hamburg News: Das würde das Leben von Patienten sicher verbessern – aber kann das Leben retten?

Szauer: Durchaus. Indem die Vernetzung etwa dazu führt, dass Daten in Zukunft gebündelt auf einem mobilen Device verfügbar sind. Damit sind alle relevanten Informationen ad hoc einsehbar – für jeden mit Zugangsberechtigung! Denn die Hoheit über die Daten muss selbstverständlich beim Patienten verbleiben. Aber diese Daten können verhindern, dass beispielsweise ein Medikament eingesetzt wird, auf das der Patient mit einem allergischen Schock reagieren könnte. Damit kann Digitalisierung Leben retten – oder auch dafür sorgen, dass ein Leben gar nicht erst in Gefahr gerät.

Hamburg News: Können Sie das anhand eines Beispiels erläutern?

Szauer: Die Verknüpfung von Daten und die Auswertung von Smart Data bietet neue Möglichkeiten der Prävention. Nehmen Sie das Beispiel 'Digitale Zwillinge’. Also die Verbindung der realen mit der virtuellen Welt, indem basierend auf realen Daten eine Vielzahl von Gesundheitsszenarien durchgespielt wird, um gegebenenfalls frühzeitig therapeutisch gegensteuern zu können. Daneben werden innovative Lösungen zunehmend über Apps gesteuert, die Daten automatisch erfassen, auswerten und individuelle Handlungsempfehlungen geben.

Hier gibt es Lösungen in vielen Bereichen, wie z.B. Mutter-Kind, Ernährung aber auch spezifische Anwendungen für Risiko-Patienten mit Herzproblemen oder Diabetes. Apps sind als solches zwar nichts Neues, doch während wir in der Vergangenheit eine weitgehend silohafte Digitalisierung erlebt haben, sind diese Apps heute miteinander verknüpft und eröffnen uns ganz neue Möglichkeiten bei der ganzheitlichen Gesunderhaltung.

Hamburg News: Sie leiten ein insgesamt 18-köpfiges Team im Bereich Digitales Marketing und beschäftigen sich etwa mit konsumentenspezifischer Ansprache – ein Ansatz mit Chancen und Risiken…

Szauer: Die Digitalisierung erlaubt uns heute eine weitgehend individualisierte Kundenansprache und das über mehr und mehr Kontaktpunkte. Im Idealfall erreicht ein Angebot den Kunden in der passenden Art und Weise genau zum richtigen Zeitpunkt. Aber es ist schon richtig, auch dieser Ansatz birgt Gefahren. Wir kennen das alle, wenn wir auf allen möglichen Kanälen „angepingt“ werden, etwa beim Surfen auf Websites, in sozialen Medien oder durch Push-Nachrichten auf dem Handy.

Wenn der Kunde sich jedoch verfolgt fühlt, wirkt das kontraproduktiv. Dank der kontinuierlichen Auswertung digitaler Daten können wir aber überprüfen: Kommt die Werbung beim Kunden an und wie reagiert er darauf? So können wir unsere Kampagnen von Anfang an noch genauer planen und während der Werbephase in Echtzeit analysieren und optimieren. Dabei betrachten wir alle Kanäle auch in ihren Wechselwirkungen und nicht mehr isoliert. Dieser verbesserte Ansatz hat zu einem deutlichen Anstieg im Online-Verkauf geführt und zu einem signifikant verbesserten Budget-Einsatz im Vergleich zu noch vor etwa zwei Jahren.

Hamburg News: Der technologische Fortschritt gibt Ihnen immer neue Werkzeuge an die Hand, welches ergreifen Sie als nächstes?

Szauer: Die Auswahl ist groß, vom Einsatz Künstlicher Intelligenz über Chatbots bis hin zu Virtual- und Augmented Reality. Aber all diese neuen Möglichkeiten müssen wir zunächst auf ihre Sinnhaftigkeit für uns und unsere Kunden überprüfen. Wir setzen nicht auf Digitalisierung um der Digitalisierung wegen, sondern schauen ganz genau, wo wir durch die verschiedenen Technologien besser auf die Anforderungen unserer Kunden reagieren können. Wir wollen nicht stehen bleiben, aber auch nicht auf jeden Trend aufspringen. Und bei aller Digitalisierung gilt: Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen. Wir sind schließlich keine Roboter.
ys/kk

Interview: Yvonne Scheller

Philips-Gruppe

Die Philips-Gruppe beschäftigt rund 100.000 Mitarbeiter in mehr als 100 Ländern. Hamburg ist Sitz der Philips Deutschland-Zentrale und der größte Standort in Deutschland. Hier entwickelt und produziert das Unternehmen Röntgenröhren, im Fertigungs- und Entwicklungszentrum für Medizintechnik werden Röntgensysteme und -Komponenten für den Export hergestellt und die Philips-Medizinforschung ist hier angesiedelt. Philips ist führend in diagnostischer Bildgebung, bildgestützter Therapie, Patientenmonitoring und Gesundheits-IT sowie bei Gesundheitsprodukten für Verbraucher und in der häuslichen Pflege.

Weitere Informationen unter:
www.philips.de

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