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„noro 2016“: Internationale Tagung zur Virusforschung in Lübeck

Forscher vermuten hinter Zuckerketten einen Schlüssel zur Bekämpfung viraler Infektionen. Gastredner ist der Entdecker des Wirkstoffes Tamiflu

Über 100 Wissenschaftler aus Europa, Nordamerika, Australien und Asien beraten sich vom 17. bis 19. März auf der Tagung „noro 2016“ zu aktuellen Fragen der Virusforschung im Bereich der Noroviren. Die von Forschern der Universität zu Lübeck und vom Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit organisierte Konferenz findet in den Media Docks, einem Lübecker Kogresszentrum, statt. Zentrales Thema ist die Bedeutung von Zuckerketten (Glycanen) für den Verlauf viraler Infektionen.

Generelles Prinzip hinter Tamiflu

Die Interaktion viraler Hüllproteine mit den besagten Glycanen auf der Oberfläche von Wirtszellen ist ein entscheidender Schritt für die Infektion mit Grippeviren (Influenza). Tamiflu, einer der wenigen verfügbaren antiviralen Wirkstoffe, setzt an dieser Stelle an, indem er die Ablösung reifer Viruspartikel (Virionen) von der Wirtszelle unterbindet und damit die Infektion stoppt, so die Experten. Die Forscher vermuten, dass diese Art der antiviralen Therapie ein generelles Prinzip für die Bekämpfung viraler Infektionen darstellt, bei denen Glycane als Schlüssel für den Eintritt der Viren in die Wirtszelle dienen. Prominenter Gastredner ist der Entdecker des Wirkprinzips von Tamiflu, Prof. Mark von Itzstein von der Griffith University in Brisbane, Australien.

Neueste Ergebnisse der Norovirusforschung

Ein weiterer Fokus der Tagung richtet sich auf die hochansteckende Norovirusinfektion. Sie gilt mittlerweile als Hauptursache viraler Magen-Darm-Entzündungen (Gastroenteritis), gegen die derzeit weder antivirale Medikamente noch Impfstoffe verfügbar sind. Möglichkeiten der Bekämpfung von Norovirusinfektionen sind daher von außerordentlich hohem Interesse und zählen auch an der Universität zu Lübeck zu den besonderen Forschungsfeldern. „Indem die Tagung an neueste Ergebnisse auf dem Gebiet der Norovirusforschung heranführt und diese mit verwandten Fragestellungen der Glycobiologie verknüpft, besteht die begründete Hoffnung, dass wir im wissenschaftlichen Diskurs auf Neuland stoßen“, sagt Prof. Dr. Thomas Peters, Direktor des Instituts für Chemie der Universität zu Lübeck.

Unterstützung aus der Industrie

Die Konferenz zur Norovirusforschung fand zum ersten Mal 2012 in Lübeck statt. Die „noro 2016“ wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Fonds der Chemischen Industrie, Boehringer Ingelheim International, Takeda, R-Biopharm und dem Verein zur Förderung der Glycowissenschaften unterstützt.
ca/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.noro2016.de
www.uni-luebeck.de
www.fli.de

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