Forschung in Hamburg - © www.mediaserver.hamburg.de/Norgenta
Hamburgs Gesundheitswesen im digitalen Zeitalter - © Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

Hamburgs Gesundheitswesen: Impulse durch innovative Startups

SERIE Digitaler Wandel - Teil 4: eHealth und Smart Healthcare auf dem Vormarsch. Diverse Vorteile für Patienten und Ärzte

Jeder Zweite möchte heute online mit seinem Hausarzt in Kontakt treten. Das ergab die 2. Hamburger eHealth-Lounge der Gesundheitswirtschaft Hamburg GmbH (GWHH) am 23. Juni in der Handelskammer Hamburg zum Thema: „#SmartHealth: Digitale Lösungen für die Gesundheitsmetropole Hamburg“. So werden Arzttermine oder Rezept-Anfragen immer öfter online geklärt, aber auch Online-Sprechstunden sowie digitales Gesundheitscoaching bei Depressionen, Diabetes oder Tinnitus sind zunehmend nachgefragt. Den Nutzen der vielfältigen eHealth-Angebote für den Patienten diskutierten 40 Experten der Hamburger Gesundheitswirtschaft – und sie fragten zum Beispiel: Wie funktioniert die Apotheke 2.0 im UKE?

UKE in der digitalen Entwicklung weit vorn

Sie funktioniert demnach sehr gut. Wie Gunnar Ebeling, Fachapotheker für Klinische Pharmazie am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf berichtete, konnte durch die Umstellung von dem papierbezogenen auf den digitalen Prozess die Arzneimittelsicherheit deutlich verbessert werden. So sei die Unterverträglichkeit parallel eingenommener Medikamente reduziert und die Mündigkeit der Patienten durch den Aufdruck von QR-Codes auf die für jeden Patienten einzeln verpackten Tütchen mit verordneten Tabletten, Kapseln und Dragees gesteigert worden.

QR-Codes Medikamentenverpackungen im UKE

Über den QR-Code werden Patienten auf die Internetseite www.beipackzettel.de weitergeleitet und können sich dort – zusätzlich zum Aufklärungsgespräch in der Klinik – über die Risiken und Nebenwirkungen verschriebener Medikamente informieren. Es handelt sich hierbei demnach um ein deutschlandweit einmaliges Digitalisierungsprojekt. Als eine von nur vier europäischen Kliniken, die ihre Patientenakten vollständig digitalisiert haben, ist das UKE in Sachen Digitaler Wandel damit weit vorn.

Mit dem Smartphone zum Arzt

Die eigene Patientenakte quasi immer dabei haben – das ist der Grundgedanke der LifeTime-App der connected health.eu GmbH, gegründet Ende 2014 von Dr. med. Johannes Jacubeit. Seine Idee: Das Smartphone den Arztbesuch begleiten zu lassen. Die Speicherung und Verwaltung von ärztlichen Befunden, Röntgenbildern oder Notizen auf dem Smartphone, kombiniert mit einer entsprechenden Hardware bei kooperierenden Ärzten zur Übertragung der Patienten-Informationen, soll den sicheren Datenaustausch zwischen Arzt und Patient maßgeblich verbessern.

Musik vertreibt Ohrgeräusche

Ein anderes Hamburger Startup im eHealth-Bereich ist die Sonormed GmbH mit der App Tinnitracks. Die App zur Tinnitus-Behandlung setzt auf eine individuelle Musiktherapie in der Behandlung von Ohrgeräuschen. Diese entstehen, wenn überaktive Nervenzellen im Hörzentrum dem Gehirn einen störenden Ton vorgaukeln. Diese Zellen werden „ausgebremst“ durch Musikstücke, die auf die jeweilige Tinnitus-Frequenz des Patienten ausgerichtet sind. Ein Ansatz, der den Gründern viel Anerkennung bescherte – unter anderem einen Preis beim Innovationswettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ 2015, als unter dem Motto „Stadt, Land, Netz!“ herausragende Ideen für eine digital vernetzte Welt ausgezeichnet wurden.

Human-Hybrid-Robot-Forschung

Ebenfalls auf dem Vormarsch: Die Human-Hybrid-Robot-Forschung. Im Rahmen des Projekts smartASSIST der Helmut-Schmidt-Universität werden beispielsweise spezielle anziehbare Systeme entwickelt, „die ihre Anwendung primär in der Produktion und Pflege, darüber hinaus aber auch in anderen Bereichen wie der Logistik, dem Handwerk bzw. Baugewerbe finden können“, erläutert Projektleiter Dr. Robert Weidner. Die sogenannten Exoskelette bilden eine Stützstruktur, die sowohl eine passive als auch aktive Unterstützung erlauben und dem Konzept des Human Hybrid Robot entsprechend, eine individuelle Anpassung an die jeweiligen Bedürfnisse ermöglichen sollen.

Kopplung biomechanischer und technischer Elemente

„Unser Ansatz ist durch die intelligente Kopplung biomechanischer und technischer Elemente charakterisiert, um so die menschlichen und technischen Fähigkeiten und Fertigkeiten gleichzeitig nutzen zu können“, erklärt Weidner. Profitieren könnten davon etwa Pflegekräfte, die oft schwer heben und tragen müssen, aber auch die Patienten selbst. „Unsere Unterstützungssysteme können helfen, wenn es darum geht, wieder selbständig aufstehen, hinsetzen und gehen zu können. Das betrifft etwa Unfallopfer, Menschen mit Handicap sowie ältere, in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen.“
ys/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.uke.de
lifetime.eu/
www.tinnitracks.com/de
www.hsu-hh.de

Zu der Serie Digitaler Wandel erschienen in den Hamburg News bereits diese Folgen:
Teil 1: Cyber-Bedrohungen erkennen und verhindern
Teil 2: Handwerk in Hamburg stellt Weichen für eine digitale Zukunft
Teil 3: Nahverkehr auf Zukunftskurs

Diese Beiträge in den Hamburg News könnten Sie auch interessieren:
connected health.eu GmbH: Marktforschungs-Startup appinio gewinnt Webfuture Award 2015
Tinnitracks: Sonormed will mit Therapie-App Tinnitracks den US-Markt erobern

„Technische Unterstützungssysteme, die die Menschen wirklich wollen“

Am 12. und 13. Dezember findet an der Helmut-Schmidt-Universität die 2. Transdisziplinäre Konferenz „Technische Unterstützungssysteme, die die Menschen wirklich wollen“ statt. Diskutiert und vorgestellt werden technische, ökonomische, medizinische, psychologische, soziokulturelle, ethische, gerontologische und rechtliche Fragestellungen im Bereich von Unterstützungssystemen für Beruf und Alltag. Die Konferenz richtet sich sowohl an Wissenschaftler und Studierende als auch an interessierte Akteure aus Industrie, Politik und Verbänden.
www.humanhybridrobot.info

Gesundheitswirtschaft Hamburg GmbH

Hamburg hat einen hervorragenden Ruf als Gesundheitsstandort. Diesen guten Ruf will die Gesundheitswirtschaft Hamburg GmbH (GWHH) durch die Optimierung der medizinischen Versorgung und Unterstützung der Gesundheitswirtschaft über Sektoren- und Branchengrenzen hinweg nachhaltig stärken. Gesellschafter der GWHH sind die Freie und Hansestadt Hamburg sowie die Handelskammer Hamburg, zu ihren Aufgaben zählt die Vernetzung der Kompetenzen von Anbietern und Akteuren der Gesundheitswirtschaft. Gemeinsam mit dem Verein Gesundheitsmetropole Hamburg e. V. unterstützt die GWHH die Potenziale für Wachstum, Beschäftigung, Systeminnovation und Qualität der Versorgung in Hamburg.
www.gwhh.de

Weitere Artikel

  • Es gibt keine älteren Artikel in dieser Kategorie.
  • Es gibt keine neueren Artikel in dieser Kategorie.