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Windräder: © www.mediaserver.hamburg.de/R.Hegeler

Windenergie der Zukunft: Fünf Projekte aus Norddeutschland

Schwimmende Offshoreanlagen, wandlungsfähige Rotorblätter und Windtürme im Legobauprinzip. Das EEHH-Cluster stellt Zukunfts-Projekte vor

Der letzte Samstag im April erinnert jährlich an die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl vom 26. April 1986. Informiert wird dann auch über die aktuellen Entwicklungen der Erneuerbaren Energien in Deutschland. Das Cluster Erneuerbare Energien Hamburg (EEHH-Cluster) nahm dies zum Anlass, um zukunftsweisende Forschungsprojekte vorzustellen. „Die Windenergie wird effizienter, attraktiver und aus dem Alltag der Menschen nicht mehr wegzudenken sein“, prognostiziert Jan Rispens, Geschäftsführer vom EEHH-Cluster.

Schwimmende Windenergieanlagen

Auf dem offenen Meer weht der Wind stärker als in Küstennähe, daher ist der Energiebetrag höher, je weiter entfernt Windenergieanlagen von der Küste stehen. Allerdings können ab rund 50 Meter Wassertiefe keine fest im Meeresboden verankerten Fundamente mehr gebaut werden. Als vorbildlicher Ansatz gilt nach Einschätzung des Clusters eine Anlage des norwegischen Energieunternehmens Statoil, die bereits 2009 in Kooperation mit der Hamburger Siemens-Division Wind Power and Renewables installiert wurde. Experten arbeiten aktuell an günstigeren Varianten mit Beton anstelle von Stahl, um die Technik bei gleichbleibender Effizienz wirtschaftlicher zu machen.

Lebensdauer von Rotoren verlängern

Der “Forschungsverbund Windenergie” arbeitet hingegen daran, die Rotorblätter von Windenergieanlagen wandlungsfähiger zu gestalten. Bei niedrigen Windgeschwindigkeiten sollen Rotorblätter an den Hinterkanten spezielle Klappen ausfahren können, um die Angriffsfläche für den Wind zu vergrößern und somit den Ertrag zu steigern. Wird der Wind zu stark, sollen diese wieder eingefahren werden. Ein Ziel der Forschung ist es auch, dass sich die Rotoren automatisch vom Wind wegdrehen, um die Belastungen durch starke Böen zu verringern. Gleichzeitig arbeitet zum Beispiel die Hamburger Spitzner Enginers GmbH daran, das Gewicht von Windrädern zu verringern und das Design aerodynamisch zu optimieren. Zum “Forschungsverbund Windenergie” gehören das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, das Zentrum für Windenergieforschung ForWind und das Fraunhofer Institut Iwes.

Montage nach dem Legobauprinzip

Bei der Montage von Windenergieanlagen auf hoher See ist starker Wind ein erschwerender Faktor, da die zum Teil sehr großen Bauteile ins Wanken geraten und so beschädigt werden können. Daher werden Offshore-Windanlagen meist nur an windstillen Tagen und bei gutem Wetter aufgestellt. Ein neuartiges Aufzugsystem namens „Wind Lift Tower“ der Leibniz-Universität Hannover könnte die Montage auch an sehr windigen Tagen ermöglichen. Am Windturm wird ein spezieller Aufzug montiert, welcher die Bauteile nach oben befördert. Ein Greifarm positioniert die Rotorblätter in die vorgesehene Position.

Windenergieanlagen mit Holztürmen

Holz gilt in der Branche als vielversprechendes Konsktruktionsmaterial für Windenergieanlagen. Nach Angaben des EEHH-Clusters sind die Ausgaben für ein Windrad mit Holzturm um ein Fünftel geringer als mit herkömmlichen Baustoffen. Stahlturm-Windräder müssen nach 20 Jahren zurückgebaut werden, der Hersteller TimberTower aus Hannover geht von einer doppelt so langen Lebenszeit der Holztürme aus. Ein erster Prototyp wurde im Oktober 2012 in Hannover-Marienwerder errichtet und im Dezember 2012 in Betrieb genommen. Derzeit arbeitet die Firma an weiteren neuen Windpark-Projekten in ganz Deutschland mit.

Flugzeugradar statt nächtliches Dauerblinklicht

Eine Zukunftstechnik, die bereits eingesetzt wird, sind Windenergieanlagen mit einem sogenannten radargestützten Befeuerungssystem, zum Beispiel das airspex” der Firma Enertrag aus Lübeck. Dieses schaltet das bekannte blinkende Rotlicht auf hohen Gebäuden nur dann ein, wenn tatsächlich ein Flugzeug oder Helikopter in der Nähe ist. Bisher kann das Blinken, welches eine vorgeschriebene und unbestreitbar wichtige Hinderniskennzeichnung für die Luftfahrt ist, für Anwohner sehr störend sein. Mit der Installation von Radargeräten könne in 98 Prozent der Zeit auf das Blinken verzichtet werden.
ca/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.erneuerbare-energien-hamburg.de
www.energy.siemens.com
“www.windenergie.iwes.fraunhofer.de
www.smartblades.info
www.iph-hannover.de
www.timbertower.de
www.enertrag.com

Über das EEHH-Cluster und die Informationskampagne zur WindEnergy 2016

Seit der Gründung 2011 haben sich über 190 Mitgliedsunternehmen und -institutionen aus der Metropolregion Hamburg im Cluster Erneuerbare Energien Hamburg (EEHH-Cluster) zusammengeschlossen. Ziel ist es, in diesem Netzwerk die Kompetenzen der Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Institutionen zu bündeln und die Zusammenarbeit im Bereich der Erneuerbaren Energien zu stärken und zu fördern. Ein Schwerpunkt des EEHH-Clusters bildet die Windenergie an Land und See. Vor der weltweit größten und bedeutensten Fachmesse, der WindEnergy 2016 in Hamburg, initiiert das Cluster daher eine Informationskampagne zum Thema Windenergie. Ziel ist es, die Bevölkerung über die Windenergie und die Fortschritte in der Energiewende aufzuklären. Die WindEnergy findet vom 27. bis zum 30. September in den Messe Hamburg statt. Nahezu alle deutschen und europäischen Unternehmen der Branche stellen aus. Die internationale Leitmesse für die On- und Offshore-Windbranche bildet den globalen Markt mit der gesamten Wertschöpfungskette ab. Weitere Informationen zum Cluster: www.eehh.de, zur WindEnergy unter www.windenergyhamburg.com.

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