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Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) nun auch in Hamburg - ©  Moritz Heitmann

Fraunhofer-Institut für Windenergie (IWES) nun auch in Hamburg

Großprüfstand für Blattlager von Windenergieanlagen entsteht auf dem Energie-Campus Bergedorf. Stadt und Bund investieren 20 Millionen

Ein wichtiger Schritt für den Innovationsstandort Hamburg: Das führende Windenergieforschungsinstitut in Deutschland, Fraunhofer IWES, gründet eine Abteilung zum Aufbau und Betrieb eines Großprüfstandes für Blattlager von Windenergieanlagen in Bergedorf am Technologiezentrum Energie-Campus des Competence Center für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (CC4E). Mit dem Bau soll im Frühjahr 2017 begonnen werden.

Einsatz neuer Technologien

Rotorblätter moderner Windenergieanlagen bringen es inzwischen auf 80 Meter. Wenn der Wind auf die Blätter trifft, wirken gewaltige Kräfte auf das Material. Besonders beansprucht: Die Blattlager. Sie sind die Verbindung zwischen Nabe und Rotorblätter und zählen zu den wichtigsten Bauteilen einer Anlage. Schäden an dieser zentralen Stelle verursachen lange Ausfallzeiten und hohe Kosten. Um Lösungen zur Steigerung der Zuverlässigkeit und Lebensdauer von Windenergieanlagen zu erzielen, mehr Planungssicherheit für die Herstellung der Blattlager zu erreichen und den Einsatz neuer Technologien zu ermöglichen, entsteht in Zusammenarbeit mit dem Competence Center für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (CC4E) am Technologiezentrum Energie-Campus Bergedorf der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) ein Großprüfstand für Blattlager von Windenergieanlagen.

Katharina Fegebank: Schub für die Windenergieforschung in Hamburg

„Hamburg gehört bereits zu den führenden Windenergie-Forschungsstandorten in Deutschland. Dass das renommierte Fraunhofer-Institut IWES nun auch in Hamburg eine Abteilung gründet, gibt der ganzen Branche am Standort einen Schub“, ist Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung überzeugt. In Hamburg sind bereits bedeutende Unternehmen der Windenergiebranche ansässig, darunter NORDEX, Siemens Windpower, Senvion und Suzlon. Der Ausbau der Windenergieforschung in Norddeutschland fördere nun „die internationale Sichtbarkeit und unterstützt Unternehmen bei der Produktentwicklung“, so die Senatorin.

Europaweit einzigartige Forschung

Die Finanzierung übernehmen sowohl Hamburg als auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Die Hansestadt investiert für Grundstück und Gebäude rund 8,3 Millionen Euro. Das BMWi hat zudem Projektfördermittel für Aufbau und Betrieb mit einem Volumen von etwa 12 Millionen Euro bewilligt. Baubeginn ist Frühjahr 2017, Anfang 2018 soll der Großprüfstand vom Fraunhofer-Institut IWES in Betrieb genommen und gemeinsam mit dem CC4E für anwendungsorientierte Forschung genutzt werden. „Was hier entsteht, ist europaweit einzigartig“, betont Dr. Eva Gümbel, Staatsrätin der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung. Der neue Großprüfstand ermögliche es Blattlager unter Realbedingungen zu testen. Die so gewonnenen Forschungsergebnisse sollen einen wertvollen Beitrag für die Entwicklung der Windenergie liefern und zur weiteren Ansiedlung branchennaher Unternehmen führen.

Fraunhofer IWES Nordwest

Und zu forschen gibt es so einiges. „Wir sehen heute die größten rotierenden Anlagen, die Menschen je gebaut haben. Das ist eine große ingenieurwissenschaftliche Leistung und wir betreten dabei in vielen Bereichen Neuland“, erklärt Professor Dr.-Ing. Andreas Reuter, Institutsleiter Fraunhofer IWES Nordwest. Das 2009 gegründete Windenergieforschungsinstitut ist das größte seiner Art in Deutschland, seine Forschungsgebiete umfassen das gesamte Spektrum der Windenergietechnik von der Windphysik bis zur Netzeinspeisung.

Die Hamburger Windenergiebranche erhält durch das Fraunhofer-Institut IWES zudem Zugang zu einer weltweit einmaligen Forschungs- und Testinfrastruktur sowie den fachlichen Kompetenzen von 500 hochqualifizierten Wissenschaftlern. „Das Thema Windenergie ist nicht nur für die Energiewende relevant, sondern auch wirtschaftlich gesehen. Wir exportieren Windenergie in die Welt“, so Reuter. Sowohl was die Technologie als auch das Know How betrifft, ist Deutschland führend und Hamburg, ´Europas Windhauptstadt` ein wichtiger Standort.

Wind- und Smart Grid-Labor im CC4E

Das CC4E ist dabei für das Fraunhofer-Institut IWES der natürliche Partner. Schon heute liefert es mit seinem Technologiezentrum Energie-Campus wichtige Forschungsergebnisse, die das Verständnis zu spezifischen Fragestellungen von Windenergieerzeugung, Anlagenbetrieb und Netzintegration sowie Speicherung maßgeblich erweitern. Professor Dr. Werner Beba, Leiter CC4E / HAW Hamburg, nennt beispielhaft zwei Forschungsziele: „Windenergie muss leiser werden, dazu dient die Akustikforschung in unserem Windlabor. Und Windenergie muss intelligenter werden.“ Dazu werden im Smart Grid-Labor effiziente und intelligente Lösungen für das Zusammenspiel von Energieerzeugung, -verbrauch und -speicherung entwickelt und getestet. Zudem ist ein eigener Windpark mit Windenergieanlagen der 2 bis 3 Megawatt-Klasse geplant.
ys/kk

www.haw-hamburg.de/cc4e
www.iwes.fraunhofer.de
www.bwfg.hamburg.de

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