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Wirtschaftsnachrichten aus der Metropole
Christoph Hoffmann – „Hotelier des Jahres“: © Sven Hoffmann

Christoph Hoffmann – „Hotelier des Jahres“

Der Mitbegründer und geschäftsführende Gesellschafter der 25hours Hotelgruppe über die Auszeichnung, das Hotelkonzept und seine weiteren Pläne

Bereits 2014 wurde Ingo C. Peters vom Hotel Vier Jahreszeiten gekürt. Damit geht der renommierte Branchenpreis der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung (AHGZ) nun erneut in die Hansestadt. Hamburg News sprach mit Christoph Hoffmann über das 25hours Hotel-Konzept „Kennst Du eins, kennst Du keins“, die Wiedereröffnung des Hotels Altes Hafenamt und Hamburg als Hotel-Destination.

Hamburg News: Herzlichen Glückwunsch, Christoph Hoffmann! Waren Sie überrascht von der Auszeichnung „Hotelier des Jahres“?

Christoph Hoffmann: Ja und nein. Es wurde im letzten Jahr schon deutlich, dass die 25hours Hotels als besondere Marke verstärkt wahrgenommen werden. Aber diese Auszeichnung ist ja eine Teamleistung. Da sind zunächst die vier Gesellschafter – neben mir Kai Hollmann, der Hamburger Hotelier schlechthin, sowie Stephan Gerhard und Ardi Goldman – und dann natürlich unsere Mitarbeiter. Es ist wie bei einem Fußballspiel. Das wird auch von der ganzen Mannschaft gewonnen, nicht vom Trainer. Aber von der Gesamtleistung her denke ich tatsächlich: Wir haben diese Auszeichnung verdient.

Hamburg News: Bringt so eine Auszeichnung auch neue Gäste in die 25hours Hotels?

Christoph Hoffmann: Die Medienpräsenz, die ein solcher Titel schafft, sorgt natürlich für Aufmerksamkeit auch über die Fachwelt hinaus. Wenn Medien darüber berichten, denkt der eine oder andere: Ach, die haben ein ausgezeichnetes Konzept? Und dann schauen diese Menschen zum Beispiel im „Neni“ vorbei, wenn wir im April oder Mai wieder eröffnen.

Hamburg News: Das „Neni“ ist das Restaurant im 25hours Hotel Altes Hafenamt in der Hafencity und musste nach einem Brand im Juni 2016 schließen. Wird alles wieder so sein, wie vor dem Brand oder haben Sie Veränderungen vorgenommen?

Christoph Hoffmann: Im Wesentlichen haben wir alles wieder so gestaltet, wie zuvor – das Hotel war ja erst gut drei Monate alt, als das Feuer ausbrach. Aber was wir in dieser kurzen Zeit an Erfahrungen gewonnen haben, fließt natürlich schon ein. So gibt es ein paar technische Veränderungen, die Sitzplätze haben wir neu angeordnet und im „Neni“ wird jetzt noch mehr von den ursprünglichen Rotklinkerwänden zu sehen sein, die wir bei den Reinigungsarbeiten freigelegt haben. Da mussten wir ja leider mit dem Sandstrahler ran, um den Ruß wegzubekommen.

Hamburg News: Sie zielen mit Ihrem Gastronomiekonzept nicht nur auf Ihre Hotelgäste, sondern möchten auch die Hamburger anlocken?

Christoph Hoffmann: Nicht nur mit der Gastronomie, sondern mit dem gesamten Konzept. Schon die Lobby soll inspirieren und neugierig machen. Wir möchten einen Raum schaffen für Menschen, die sich in ihrer eigenen Stadt treffen wollen: Ein Wohnzimmer für die Nachbarschaft. Dieser Ansatz geht auf die Idee von Kai Hollmann zurück, der mit seinem ersten eigenen Haus, dem „Gastwerk“ in Bahrenfeld, einen Riesen-Erfolg hatte. In einer Büroimmobilie direkt gegenüber vom „Gastwerk“ entstand dann das erste 25hours Hotel „Number One“, das den Design- und Lifestyle-Ansatz vom „Gastwerk“ fortführte. Wieder mit Fokus auf die Geschichte der Nachbarschaft und der Immobilie selbst. Denn jede Immobilie verlangt nach ihrem ganz eigenen Stil. So entsteht das Besondere.

Hamburg News: Steckt diese Idee hinter dem Claim „Kennst Du eins, kennst Du keins“?

Christoph Hoffmann: Ja. Ich bin davon überzeugt, jedes Haus braucht eine Geschichte. Bevor wir also anfangen zu designen und zu gestalten, orientieren wir uns an einer Geschichte, die zum Standort passt. Und da jeder Standort anders ist, entsteht jedes Mal ein anderes Haus. Darin unterscheiden wir uns von den meisten großen Ketten, die auf Standardisierung setzen. Denn Individualisierung kostet Mut, Kraft, Mühe und Geld.

Hamburg News: Lohn sich Ihr Ansatz?

Christoph Hoffmann: Ich denke schon. Eine Auslastung von fast 90 Prozent in unseren Häusern spricht für sich. Und es macht uns stolz zu zeigen, es geht auch anders. In Paris, wo wir vor kurzem ein Mercure Hotel übernommen haben und es in den nächsten 18 Monaten zu einem 25hours-Hotel umbauen, wird das Thema ´Kommen und Gehen` heißen. Das bezieht sich auf den Gare du Nord-Bahnhof quasi gegenüber und unsere Nachbarschaft im 10. Arrondissement, die stark multikulturell geprägt ist. Von Menschen aus dem Maghreb und Zentralafrika, speziell dem Kongo. Und genau diese Menschen, Künstler und Helden aus dem Arrondissement, werden das Haus mitgestalten. Dabei werden wir zum Beispiel die Geschichte der „Sapeurs“ erzählen, Kongolesische Männer, die aus Protest vor den ´weißen Herren` in wunderschönen Anzügen nach Dandy-Manier durch die Straßen flaniert sind.

Hamburg News: Für dieses Projekt fliegen Sie momentan einmal die Woche nach Paris. Für Ihre verschiedenen Projekte sind Sie rund 200 Tage im Jahr auf Reisen. Wissen Sie eigentlich morgens beim Aufwachen, wo Sie sind?

Christoph Hoffmann: Nicht immer. Momentan gibt es tatsächlich Phasen, in denen ich jeden Tag woanders bin und dann morgens kurz nachdenken muss: Wo bin ich gerade? Aber es geht noch schlimmer. Ein Kollege erzählte mir kürzlich, er sei so viel unterwegs, er lebe quasi im Flugzeug. Und wenn er nachts aufwacht, müsse er überlegen, auf welcher Flugstrecke er sich gerade befindet… Aber ich will mich gar nicht beschweren, unsere Projekte laufen momentan einfach gut.

Hamburg News: Dank all Ihrer Reisen haben Sie ausreichend Vergleichsmöglichkeiten. Wie beurteilen Sie Hamburg als Tourismus-Destination?

Christoph Hoffmann: Hamburg ist meine Lieblingsstadt. Darum ist hier das Head Office der 25hours Hotels und mein eigenes mit meiner Familie. Für die Stadt als Tourismus-Destination wünsche ich mir, dass sie noch stärker von einer internationalen Klientel entdeckt wird. Aktuell sehen wir auf Hamburgs Straßen hauptsächlich deutschsprachige Touristen. Aber schon die Eröffnung des Fontenay, als echtes Luxus-Hotel, wird Hamburg wieder ein Stück weit verändern. Und ich bin überzeugt, Hamburg hat noch gewaltiges Potenzial.
ys/kk

Weitere Informationen unter:
www.25hours-hotels.com

Christoph Hoffmann

Christoph Hoffmann, Mitbegründer der 25hours Hotels, ist verantwortlich für Entwicklung und Expansion in der Hotelgruppe. Erfahrungen in der Hotellerie sammelte der 51-Jährige sowohl in der Hamburger Fünfsterne-Hotellerie – als stellvertretender Direktor im Louis C. Jacob und im Sales und Marketing im Atlantic Kempinski Hamburg – sowie im American Colony Hotel in Jerusalem, den Bürgenstock Hotels & Resorts in der Schweiz oder dem Box Tree Hotel in New York. 2005 erfüllte er sich seinen Traum, Hotels zu entwickeln und zu realisieren. Hoffmann ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und einer Tochter in Hamburg Winterhude.

25hours Hotels

In den nächsten 12 Monaten soll die Zahl der 25hours Hotels auf insgesamt 14 Häuser ansteigen. Aktuell gehören neben den drei Hamburger Hotels – HafenCity, Altes Hafenamt und Number One – zwei weitere in Frankfurt und jeweils eins in Berlin, Zürich und Wien zur Gruppe. Die nächsten Eröffnungen sind in Zürich, München und Paris geplant.

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