Deutsch Englisch
Suche
Wirtschaftsnachrichten aus der Metropole
Olympus Europa-Chef Stefan Kaufmann: „Die besten ´Instrumente` für unsere Endanwender zu entwickeln.“: © Olympus

Olympus Europa-Chef: Wir wollen in Hamburg weiter wachsen

Medizintechnikhersteller errichtet Neubau in der City Süd und schafft weitere Arbeitslätze. Stefan Kaufmann im Interview mit den Hamburg News. SERIE Teil 4

Stefan Kaufmann, Executive Managing Director der Olympus Europa SE & CO. KG, spricht im Interview mit den Hamburg News über Hightech-Instrumente für minimalinvasive Eingriffe und brillante Bildgebungstechnologie, die selbst offenen Operationen überlegen ist. Hamburg ist Sitz der Olympus-EMEA-Zentrale, der deutschen Vertriebsgesellschaft sowie des europäischen Entwicklungs- und Produktionszentrums. Von hier aus steuert Olympus Marketing, Vertrieb, Entwicklung und Produktion.

Wie das Unternehmen gerade heute bekannt gab, baut Olympus den Standort Hamburg massiv aus. Im Stadtteil Hammerbrook errichtet das Unternehmen einen Neubau für Marketing und Vertrieb seiner Produkte in EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika) und die Olympus Deutschland GmbH.

In Jenfeld erweitert es sein europäisches Entwicklungs- und Produktionszentrum für Medizintechnik. Es handelt sich demnach um eine der größten Bauinvestitionen eines Unternehmens in Hamburg in den vergangenen Jahren. Der Neubau in der City Süd soll voraussichtlich bis 2020 fertiggestellt sein. Verantwortlich für den Entwurf ist das Hamburger Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner (gmp).

Mit dem Neubau reagiert Olympus auf sein angestrebtes Wachstum. „Wir planen entsprechend dem Trend der letzten Jahre ein strategisches, globales Wachstum von jährlich sechs Prozent bis 2021. Der Neubau trägt dieser Entwicklung Rechnung und wird unseren Mitarbeitern eine moderne und inspirierende Arbeitsumgebung bieten“, so Kaufmann. „Zugleich bekennen wir uns mit den Bauten in Hammerbrook und Jenfeld als größter japanischer Arbeitgeber klar zur Hansestadt.“ Eine weitere gute Nachricht für Hamburg: Olympus stellt ein und plant bis zu fünf Prozent mehr Arbeitsplätze.

Thunderbeat – ein Highlight der chirurgischen Produkte

Das Zusammenspiel von Mensch und Technik wird die Medizin nachhaltig verändern, sind Experten überzeugt. Und Olympus, als einer der weltweit führenden Hersteller von optischen und digitalen Produkten vor allem in der Medizintechnik, spielt dabei eine wesentliche Rolle. Eines der Wachstumsfelder ist etwa die Entwicklung chirurgischer Instrumente. Ausgesprochen stolz ist Olympus Europa-Chef Stefan Kaufmann beispielsweise auf das chirurgische Gewebemanagement-System Thunderbeat, das 2015 in Köln bei der Trennung der siamesischen Zwillinge Tamari und Tebrole erfolgreich zum Einsatz kam. „Das ist ein Highlight unserer chirurgischen Produkte. Als weltweit einziges elektrochirurgisches Gerät kombiniert es zwei verschiedene Energiearten und kann damit sowohl Gewebe schneiden als auch Gefäße versiegeln“, erklärt der 49-Jährige.

„Andere Highlights sind der Einsatz von 4K Ultra HD Technologie in der chirurgischen Bildgebung“, fährt er fort. Dabei werden bildgebende Endoskope und chirurgische Instrumente wie Thunderbeat durch kleinste Einschnitte in die Bauchdecke eingeführt und der Chirurg steuert seine exakten Bewegungen über einen Bildschirm. „Hier gilt: die extrem hohen Bildauflösungen, die Zoomfunktionen und die brillante Farbwiedergabe verbessern die Sicht und helfen den Spezialisten dabei, noch exaktere minimalinvasive Eingriffe durchzuführen.“ Dabei ergeben sich auf dem Bildschirm Sichtverhältnisse, die selbst offenen Operationen überlegen seien. Eine Panoramasicht auf 55“ 4K-Monitoren gestatte es dem OP-Team, sich ganz auf den jeweiligen Eingriff zu konzentrieren, erläutert Kaufmann.

Mehr als 90 Jahre Pioniergeist und Innovationskraft

„Olympus ist marktführend bei endoskopischen Instrumenten, z.B. zur Darmkrebsvorsorge“, betont Kaufmann. Hier wolle das Unternehmen auch weiterhin kontinuierlich Innovationen vorantreiben. „Wachsen wollen wir jedoch vor allem bei Produkten für Anwendungen in den medizinischen Fachrichtungen Allgemeinchirurgie, Urologie, Gynäkologie und HNO“, nennt Kaufmann die Ausrichtung der Olympus-Wachstumsstrategie. 1919 in Japan gegründet steht Olympus seit mehr als 90 Jahren für Pioniergeist und Innovationskraft. Die Hamburger Geschichte begann 1963 mit 12 Mitarbeitern am Steindamm, heute ist die Hansestadt der Sitz der Olympus-EMEA-Zentrale, der deutschen Vertriebsgesellschaft sowie des europäischen Entwicklungs- und Produktionszentrums. Von hier aus steuert Olympus Marketing, Vertrieb, Entwicklung und Produktion – von Island bis Südafrika, von Russland bis Portugal.

Weltweit sind 33.300 Menschen für Olympus tätig, in Hamburg sind es etwa 2.000 Mitarbeiter, Tendenz steigend. Bis 2021 plane Olympus in Hamburg ein jährliches Personalwachstum von bis zu 5 Prozent jährlich in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Service, Forschung & Entwicklung sowie Produktion – vor allem in der Medizintechnik. „Damit bleibt Olympus der größte japanische Arbeitgeber Hamburgs“, so Kaufmann.

Mehr als 2.000 angemeldete Patente pro Jahr

Seit der Erfindung der Gastrokamera in den 1950er Jahren entwickelt das Unternehmen regelmäßig Innovationen im Bereich optoelektronischer Medizintechnik. Zum Produktportfolio gehören endoskopische und -chirurgische Geräte für den medizinischen Gebrauch, Kameras, sowie Mikroskope und Messgeräte für Wissenschaft und Industrie. Der größte Geschäftsbereich ist mit 77 Prozent die Medizintechnik. Dann folgen mit je 11 Prozent die Bereiche Wissenschaft und Industrie sowie Kameras und Audioprodukte. Im Geschäftsjahr 2015/2016 konnte Olympus Europa einen Umsatz von 1,74 Milliarden Euro verzeichnen und trug damit zu einem globalen Wachstum von 5 Prozent bei – der Umsatzanteil von EMEA am globalen Gesamtumsatz lag nach Unternehmensangaben bei 24,3 Prozent.

Grund für die florierenden Geschäfte: Die Innovationskraft des Unternehmens. Jährlich investiert Olympus 9 bis 10 Prozent vom Umsatz in Forschung & Entwicklung und bringt es auf mehr als 2.000 angemeldete Patente pro Jahr. „Grundsätzlich entwickeln wir Produkte entlang der Herausforderungen unserer Kunden“, betont Kaufmann. Dazu ist das Unternehmen im ständigen Austausch mit seinen Kunden, um ihre Bedürfnisse und ihren Alltag zu verstehen und Innovationen möglichst passgenau entwickeln zu können. „Schließlich sind all unsere Kundengruppen Experten mit ganz besonderen Fähigkeiten – das gilt gleichermaßen für Mediziner, Fotografen oder Forscher. Um ihr Potential voll zu entfalten, brauchen sie Präzisionsinstrumente. Zu diesen Instrumenten haben unsere Kunden einen ähnlich intensiven Bezug wie ein Profimusiker zu seinem Musikinstrument. Es ist spannend und unsere tägliche Herausforderung, die besten „Instrumente“ für unsere Endanwender zu entwickeln und zu vermarkten.“

Bildgebungsverfahren mit künstlicher Intelligenz kombinieren

Und was erwartet Kaufmann für die Zukunft – was wird uns die technische Entwicklung in absehbarer Zeit noch bescheren? „Ich denke, dass sich die Bildgebungsverfahren, mit denen Mediziner Krankheiten früher erkennen können oder durch die Chirurgen durch kleinste Einschnitte (minimalinvasiv) die kompliziertesten Operationen durchführen können, technologisch immer weiter entwickeln werden. Schon heute erreichen die Verfahren Bilder, die dem menschlichen Sehvermögen nahe kommen oder es gar übertreffen.“ Denkbar sei nun, dass sich die Bildgebungsverfahren mit den neuesten Entwicklungen der künstlichen Intelligenz und sogenannten ‚Deep Learning‘ Programmen kombinieren lassen. „Auf diese Weise wäre es zum Beispiel möglich, Bilder von auffälligem Gewebe in Echtzeit durch Computer gesteuerte Algorithmen und einen Abgleich mit einer Vielzahl von archivierten Bildern zu analysieren, um so den Arzt bei der Diagnose in Echtzeit zu unterstützen.“
ys/kk

Quelle und weitere Informationen
www.olympus.de

Lesen Sie auf Hamburg News auch die Serienteile:

NXP-Vorstand Rüdiger Stroh: Fokus auf digitale Märkte

Philips-Chef Peter Vullinghs: „Big Data kann Leben retten“

“Stefan Dräger: Erfindergeist liegt uns im Blut

Hamburg ist Sitz der Olympus EMEA-Zentrale

Olympus ist einer der weltweit führenden Hersteller von optischen und digitalen Produkten der Medizintechnik und Unterhaltungselektronik. Dazu gehören endoskopische und mikroskopische Geräte für den medizinischen und industriellen Gebrauch sowie Kameras und Audiogeräte. 1919 in Japan gegründet, begann die internationale Expansion in den 60er Jahren, 1963 kam Hamburg dazu. Die Olympus Europa GmbH Europa in der Hansestadt ist die Zentrale für die Region Europa, den Mittleren Osten und Afrika (EMEA). Olympus ist im Nikkei 225 gelistet.

Neue Unternehmenszentrale und Trainingszentrum

Die neue Unternehmenszentrale entsteht auf dem Grundstück zwischen Heidenkampsweg, Wendenstraße und Sachsenstraße. Sie umfasst insgesamt 55.000 Quadratmeter Fläche. Für die neue Zentrale werden alle aktuell genutzten Gebäude abgerissen, da ihre Modernisierung mit zu hohem Aufwand verbunden wäre. Die Mitarbeiter ziehen vorrübergehend in das Poseidonhaus an der Amsinckstrasse – ebenfalls in Hammerbrook, wo Olympus bereits im vergangenen Jahr einen Vertrag für die Anmietung von 23.800 Quadratmeter Fläche unterzeichnete.

Teil des Neubaus in der City Süd soll auch ein hochmodernes Trainingszentrum sein. Insbesondere durch den Vorstoß von Olympus bei chirurgischen Geräten steige der Bedarf an Fortbildung. Zukünftig sollen Mitarbeiter aus ganz EMEA in der neuen Zentrale trainiert werden.

Europäisches Entwicklungs- und Produktionszentrum wird erweitert

Das europäische Entwicklungs- und Produktionszentrum in der Kuehnstrasse wird bis Sommer 2018 um 20.000 Quadratmeter erweitert. „Hier wird Medizintechnik von morgen für den Weltmarkt erdacht und gebaut“, sagt Kaufmann. „Damit stärken wir am Hamburger Standort unsere Entwicklungs- und Fertigungskompetenzen für starre Endoskopie, bipolare Hochfrequenz-Chirurgie, Systemintegration und Instrumentenaufbereitung und tragen so aus Hamburg zu unserem globalen Wachstum in der Medizintechnik bei.“

Weitere Artikel